"Scream 3" von Wes Craven : Killer in die Produktion

Martin Schwickert

Versierte Horrorfilm-Konsumenten haben ein schaurig distanziertes Verhältnis zum Produkt ihrer Begierde. Wes Cravens "Scream" hat dieses Zuschauerverhalten nun in die Filmhandlung eingebaut - und die Ironie von der Couch auf die Leinwand geholt. Das schränkt die Horror-Illusionen zwar entscheidend ein; andererseits eröffnet sich ein unterhaltsames Feld von Insider-Witzen und Selbstzitaten.

Schon im Ur-"Scream" wüteten die Mörder in der Kleinstadt Woodsboro mit profundem Genre-Wissen. In "Scream 2" ging ein Nachahmungstäter ans Werk, während sich die Opfer im Kino die erste Folge anschauten. Nun dreht Wes Craven die Schraube der Selbstreferenz noch ein Stück weiter. Er schickt den Mörder in die Produktion. Am Set von "Stab 3" hat die Realität die Fiktion eingeholt. Ein Killer hat sich des Skripts bemächtigt und dezimiert das Ensemble drehbuchgemäß. Als Überlebende der ersten Folgen sind Hilfspolizist Dewey (David Arquette), TV-Journalistin Gale (Courtney Cox Arquette) und Trauma-Opfer Sid (Neve Campbell) wieder von der Partie und sehen sich im Studio mit ihren Filmdoubles konfrontiert. Ob der Mörder nun Original oder Fälschung bevorzugt und an welche der Drehbuchfassungen er sich hält, sind zentrale Fragen, die schon bald mit dem Schlitzemesser geklärt werden.

Ansonsten: alles beim alten. Der maskierte Mörder meldet seine Ankunft telefonisch an, die Opfer begeben sich zielstrebig in Gefahr, laufen die Treppe hoch statt zur Ausgangstür. Das Finale im Haus eines Filmproduzenten lässt anhand vieler Horrorsouvenirs die Genre-Geschichte noch einmal Revue passieren. "Scream 3" ist ein würdiger, wenn auch dringend nötiger Abschluss der Trilogie. Das selbstironische "Scream"-Konzept hat sich überlebt. Nicht zuletzt der Erfolg von "Blair Witch Project" zeigt: Die Fangemeinde hungert wieder nach authentischem Schrecken.

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