Kultur : Scream and Shout - Deutscher Sprechgesang

Ulf Lippitz

"Ich durfte wieder nicht singen." So steht es in den Worten Sabrina Setlurs im CD-Booklet. Mentor Moses P. weiß um die Schwächen seines Schützlings, Berlin inzwischen auch. Wer in der Columbiahalle singt, steht hinter Setlur, gehört zum Backgroundchor und hat die unangenehme Aufgabe, die Arbeitgeberin um ein Vielfaches an Stimmvolumen zu übertrumpfen. Aber die Rapperin gibt sich jeden Zentimeter als Star. Sie wandelt selbstbewusst über die Bühne und überschüttet die Anwesenden mit guter Laune. Sinkende Absatzzahlen schlagen offensichtlich nicht aufs Gemüt. Das Publikum ist - wie es so schön heißt - mit ihr und markiert den Affen. Setlur brüllt: "Rödelheim, Rödelheim". Ein hundertfaches Echo schallt zurück, vereint in Hypnose, verführt vom Erfolg. Die Frankfurterin beweist: Auch wenn man eigentlich daran dachte, zu rappen, kann man Königin deutschen Sprechgesangs werden. Die ehemalige Aushilfssängerin, die als Schwester S. beim Rödelheim Hartreim Projekt anfing, ist inzwischen ihr eigener Star. Setlur, Tochter indischer Eltern, verteilt Weisheiten aus der Gosse. Es wird syntaktisch scharf geschossen - Dialekt inklusive, Schulgrammatik exklusive. Aus der Mainmetropole stammen nicht nur Dichterfürsten. Gewinn des Abends bleibt die musikalische Umsetzung. Schlagzeug und Bass verhelfen so manch hölzernem Lied zu Leben. Elemente des Funk kollidieren dann angenehm mit Rap-Salven und trockenen Beats, wie bei "Setlur 2000". Die schönste Überraschung hebt sich Sabrina Setlur für das Ende auf. Ihre Kolleginnen Brixx und Cora E. erstürmen die Bühne, ein saftiger Basslauf rollt durch die Halle, und gemeinsam schmettert die Trias "Hija". Die geballte Weiblichkeit zeigt den Herren, was eine Harke ist - und läßt Setlur als Solistin blass wirken.

0 Kommentare

Neuester Kommentar