Kultur : Sean Connery: 007 ist Vergangenheit

Andreas Conrad

Die Frage musste ja kommen: Wer ist der wahre Bond? Wahrscheinlich wurde keine Frage Sean Connery so häufig gestellt wie diese: obligatorisch bei jeder Pressekonferenz, zu ausgeleiert, um sie noch als running gag hinzunehmen. Wahrscheinlich seufzt er innerlich auf, ist womöglich gar ungehalten. Aber er ist zu sehr Profi, zu gewieft auch im diplomatischen Ausweichen, als dass er dies zeigen würde. "Das ist eine sehr schwierige Frage" - viel mehr wird man auch auf dem Berlinale-Podium nicht als Antwort erhalten. Allenfalls noch den vagen Rat, man solle sich erst noch mal alle anderen Bonds ansehen. Aber mal im Ernst: "007 - das ist doch Vergangenheit."

Und noch eine weitere lästige Frage - womöglich die zweithäufigste seines Lebens, also in jeder zweiten Presserunde gestellt - wird Connery in dieser halben Stunde mit leichter Hand zurückschlagen, beiläufig, durchaus nicht grimmig, eher ironisch und leicht gelangweilt. Er werde doch "the most sexy man of the world" genannt, ob er nicht den Männern einige Ratschläge geben könne. Nein, kann er nicht. "Das Geheimnis werde ich wohl mit ins Grab nehmen."

Aber es soll hier auch um "Finding Forrester" gehen, Gus van Sants Film über einen einsamen, gealterten Schriftsteller und einen jungen Schwarzen, die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, eine emotional sehr bewegende Geschichte, findet Connery. Der Ältere als Mentor des Jungen - diese Konstellation muss auch die Dreharbeiten geprägt haben, die Zusammenarbeiten des Leinwandveteranen Sean Connery und des damals sechzehnjährigen Rob Brown. Während der Fotosession zu Beginn der Pressekonferenz hatte Connery einen Arm väterlich um den jungen Kollegen gelegt, als wolle er dies auch im Bild dokumentieren. Überdies ist er des Lobes voll. Ein Vergnügen sei die Zusammenarbeit gewesen. Er selbst sei in jenem Alter zu einer solchen schauspielerischen Leistung mit Sicherheit nicht fähig gewesen.

Was ihn an dem Stoff gereizt hat? Dieser Konflikt der Generationen, das Zusammentreffen zweier völlig unterschiedlicher Menschen, die nichts gemeinsam haben. Aber über intelligente Gespräche, über die Literatur entwickelt sich dann doch eine Beziehen. Natürlich habe man bei dem eigenbrötlerischen Forrester auch an reale Vorbilder gedacht, an William Burroughs und J. D. Salinger beispielsweise.

Der Film, den er für seinen besten hält? Auch so eine obligatorische Frage, viele antworten dann knapp: "Der Letzte." Connery macht das nicht, weiß kaum, wie er antworten soll. "Indiana Jones", das war seine beste Dreherfahrung, vor allem wegen der Professionalität von Steven Spielberg und Harrison Ford. Hat etwa jemand "Goldfinger" als Antwort erwartet? So ungeschickt ist einer wie Connery nicht.

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