Kultur : Seeed

Diese Woche auf Platz 9 mit: „Aufstehn“

Kai Müller

Für einen Sommerhit kommt dieser Song reichlich spät. Ende August veröffentlicht, da hätte man – statistisch gesehen – auch Morgennebel und Straßenfeger besingen können, die den Biomüll entlaubter Bäume zusammenkehren. 14,5°C Durchschnittstemperatur, 50 Millimeter Regen und eine Globalstrahlung von 86 Kilowattstunden pro Quadratmeter, das kann unser Organismus nur mit zunehmender Schläfrigkeit verarbeiten.

Dass sich auf die bettschwere Antriebsschwäche besonders Seeed, das Berliner Reggae- und Kiffer-Kollektiv, versteht und zwar praktisch qua Lebensführung, hatte man schon geahnt. Doch nun wendet sich die Band der ersten und schwierigsten Aufgabe des Tages zu: „Baby, wach auf, ich zähl bis zehn“, singen sie, „das Leben will ein’n ausgeben und das will ich sehn/ Lass uns endlich rausgehn und das Radio aufdrehn/ das wird unser Tag, Baby, wenn wir aufstehn“. Ja, wenn. Ob es ihnen gelingt, erzählt das Lied nicht.

Irgendwann einmal müssen sie es allerdings geschafft haben, sonst wären Seeed nicht da, wo sie heute sind, nämlich ziemlich weit oben. Das „Aufstehn“-Video zeigt außerdem, wie ausgeschlafen die Herren Enuff, Ear, Eased, Illvibe, Jerome, Reibold, Rudy, Tobsen, Alfi, Based, Delgado und Olsen sind. Denn in dem Clip sieht Berlin jetzt exakt so aus wie New Orleans: Echsen kriechen über Kneipentheken, der Dschungel wuchert, die Stadt steht unter Wasser, Enuff & Co gehen zwischen Häuserfluchten fischen. Das könnte die Zukunft sein, wenn die Globalstrahlung ein paar Kilowattstunden zulegt.

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