Kultur : Seeed

Diese Woche auf Platz 5 mit: „Next“

Ralph Geisenhanslüke

Derzeit kursiert die Vokabel „Migrantenpop“. Damit ist besonders das Duo Mattafix aus London gemeint. Mattafix spielen leicht verdaulichen Pop mit indischen und karibischen Wurzeln. Aber ein solch schleimtriefendes Gutmenschenwort haben sie nicht verdient. Bei Seeed würde sich das niemand trauen. Seeed sind ein Berliner Heiligtum.

Elf Freunde sind sie, scheinbar aus aller Herren Länder. Doch nur zwei von ihnen sind nicht in der Stadt geboren. Und nur einer, Alfi, der Percussionist, ist „echter“ Jamaikaner. Während wir für andere Kulturen scheinbar noch Gebrauchsanweisungen brauchen – wie derzeit die unterhaltsame Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ – haben afrikanische und karibische Lebenswelten unseren Alltag längst so weit durchdrungen, dass sie schon wieder exportfähig sind. Seeed touren durch Afrika und standen bereits in den Charts von Trinidad und Tobago. Als Seeed bei der Echo-Verleihung zusammen mit Mattafix auf die Bühne kamen, wirkten die Londoner wie Musterknaben gegen diesen Dancehall-Urknall.

Seeed machen einfach ihr „Ding“. So heißt auch ihre Single, die seit geraumer Zeit rotiert. Der Song erzählt von den Nöten eines verheirateten Mannes, der ausgeht und mit der Versuchung kämpft, sein Ding mal kurzfristig woanders zu parken. Das Video dazu zeigt einen Orang-Utan, der in einen Dachsbau geht, wo leichtbekleidete Dachs-Weibchen die Tanzfläche bevölkern. Ein hübscher Trickfilm. Aber die ganze Energie dieses „mobilen Reggae-Sondereinsatzkommandos“ erfährt man nur live-haftig. Auch weiße Jungs können tanzen. Manchmal sogar besser.

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