Kultur : Seelen gegen Geld

CARLA RHODE

Eine wahre Geschichte, doch könnte sie auch ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht sein.Markus Imhoofs Großmutter ging einst als Missionsbraut nach Indien, fiel erst einmal in Ohnmacht, als sie dort ihrem zukünftigen Ehemann zum ersten Mal begegnete, blieb aber, verliebte sich leidenschaftlich und bekannte sich tapfer zum Bräutigam und dessen hochgesteckten Zielen.In den Augen des Enkels war der Missionar ein Held - solange, bis Imhoof sich die Tagebücher und Briefe des Großvaters vornahm, sie waren von Zweifeln am Sinn seiner Tätigkeit geprägt.Die "Basler Mission", der er angehörte, wollte das Evangelium in allen Erdteilen verbreiten, ab 1834 auch in Indien.Doch wurden dort die frisch getauften Christen aus der indischen Kastengesellschaft ausgeschlossen, die Missionare mußten ihnen Arbeitsplätze verschaffen.Die auf diese Weise entstandenen Industriezweige, Produktion von Kuckucksuhren, Textilien und Ziegeleien, waren immens erfolgreich."Der neue Glaube bedeutete Brot", sagt Markus Imhoof in einem Interview.

Soweit der historische Hintergrund für einen wildromantischen Film, an dessen Wahrheitsgehalt wir einfach nicht zweifeln möchten.Ein Schiff fährt nach Indien, in der ersten Klasse tanzt die reiche Gesellschaft Walzer, aber das junge, schöne Paar, auf das sich die Kamera konzentriert, kommt immer wieder aus dem Takt.Die Hochzeitsreise endet im Desaster.Juliette (Elodie Bouchez) hat gemerkt, daß sie einem Heuchler ins Netz gegangen ist, Ehemann Philipp (Bruno Todeschini) wollte die Fabrik ihres Vaters, nicht sie.Die zufällige Begegnung mit einer jungen Frau aus der dritten Klasse erscheint ihr da wie ein Wink des Schicksals.Auch Esther (Sylvie Testud) befindet sich auf ihrer Hochzeitsreise, aber allein.Sie soll in Indien einen Missionar heiraten, der ihr gänzlich unbekannt ist, und sie hat Angst.Der Rollentausch ist eine Angelegenheit von wenigen Minuten, an der Missionsstation geht Juliette als Braut von Bord.Auf sie wartet, ganz wie gewünscht, ein Abenteuer.

Zunächst scheint es, als sei Juliette zum zweiten Mal in die Ehefalle getappt.Die Missionsstation als entbehrungswilliger Frömmler-Club (Swetlana Schönfeld als Haushälterin nimmt sich da schon sehr exotisch aus!), der mit der indischen Dorfbevölkerung nicht das mindeste anfangen kann, also entsprechend lächerlich wirkt.Schwitzende Europäer, eingezwängt in steife, unzweckmäßige Kleidung und sinnlose Rituale, ein zum Scheitern verurteiltes Unternehmen! Doch wer die begehrlichen Blicke zwischen der ebenso anmutigen wie durchsetzungsfähigen Juliette und dem ungestüm fanatischen Gustav Walser (Laurent Grévill) richtig deutet, was nicht schwer ist, denn es knistert förmlich von der Leinwand, weiß, wie vorhersehbar sich diese Liebesgeschichte entwickeln wird.Zuerst als Machtkampf.Als Prediger ist Gustav eine Niete.Seelen gewinnt man nicht, indem man Menschen in ihrer Würde verletzt und ihre Kultur verhöhnt.Juliette, reiche Unternehmertochter, "kauft" Seelen, indem sie ihrer kostbaren Schmuck versetzt.

In den Kinos Moviemento und Nickelodeon

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben