Kultur : Seelenglut Triumphal: Alison Moyet im Heimathafen Neukölln

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Sechs Jahre hat die englische Sängerin Alison Moyet auf ihr neues Album „The Minutes“ warten lassen. In Berlin war sie zum letzten Mal 2008, im Rahmen ihrer kurzen Reunion mit Vince Clarke. Mit ihrem Synthie-Pop-Duo Yazoo hatte Anfang der Achtziger eine große Karriere für sie begonnen. Doch weil ihr die Rolle als Popstar nie sonderlich behagte, zog sie sich immer wieder für Jahre zurück.

Eine Sturmflut der Begeisterung brandet durch den Heimathafen Neukölln, als in der Dunkelheit der Bühne eine scharfe Taschenlampe aufleuchtet, auf deren Strahl Moyet eingeschwebt kommt. In schwarzem Pullover, schwarzen Jeans. Schlicht und schön. Nie hat ihr Gesang besser geklungen als jetzt mit 52: reif, emotional, lebenserfahren, individuell. Mit tiefen Wurzeln im Blues, Soul, Jazz.

Flankiert wird ihre warme Altstimme von den kühlen ElektronikkKlängen zweier Tastenmänner, die sich versiert hineintasten ins Gegrummel, Geplingel und in die berauschenden Melodien. „Horizon Flame“ flackert auf vom neuen Album. „Nobody’s Diary“ blättert in der Vergangenheit von Yazoo. Zwischendurch spielt der Mann links Gitarre zu einer berauschenden Soulballade. Der rechts singt eine exquisite zweite Stimme. Das Schlagwerk kommt aus dem Computer.

Mittendrin bricht Moyet den Song „Filigree“ ab: „Stop! Stop!“ Falsche Strophe. Andere wären darüber hinweggegangen, aber der Text ist ihr wichtig, also noch mal: „I fell into a cinema, watching pictures in a dream“ – Eindrücke zu Terrence Malicks Film „The Tree Of Life“. Moyet wird immer besser, scheint an ihrem Auftritt so viel Freude zu haben wie das Publikum. Während zweier intensiver Stunden mit der exquisiten Songauswahl einer 30-jährigen Karriere entsteht ein Zauber wie selten. Triumphal! H.P. Daniels

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