SEHEN : Fuchs, du hast die Vögel verwirrt

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Lange Zeit galt William Shakespeare als Marktführer, wenn es an die dramatische Sommerbespielung ging. Das Hexenkessel Hoftheater beispielsweise – einer der konstantesten und ältesten Berliner Open-Air-Spektakel-Anbieter mit entsprechend idyllischem Ambiente im Monbijoupark – hat sich erst mal durch fast alle Irrungen, Wirrungen und Verwechslungskomödien aus der Feder des Elisabethaners gespielt, bevor andere Autoren zum Zuge kamen. Nun sind auch andere ebenso hochklassige Komödianten im Amphitheater zu sehen: Während Molières „Amphitryon“ bereits im diesjährigen Hexenkessel-Repertoire läuft, wird ab morgen zusätzlich Ben Jonsons „Volpone“ für einen schön misanthropischen Sommerspaß sorgen (Voraufführungen Mo-Fr 25.-28.6., Premiere Sa 29.6., dann bis Sa 31.8. immer Di-Sa, 21.30 Uhr).

Die im Jahr 1606 entstandene Komödie legt tatsächlich in erfreulicher Konsequenz das Allerschlechteste der Spezies offen. Volpone – zu deutsch Fuchs (und der Name ist selbstredend Programm) – reüssiert als reicher Kaufmann, der zu Stückbeginn vermeintlich im Sterben liegt. Das jedenfalls glauben die zahlreichen Erbschleicher mit den nicht minder sprechenden Fabel-Namen „Krähe“, „Rabe“ und „Geier“, die umgehend schmierig um Volpones Gunst eifern: Er hatte demjenigen sein üppiges Erbe versprochen, dessen Freundschaft er sich sicher sein könne. Die Herren Erbschleicher legen sich nun mächtig ins Zeug, während Volpone putzmunter ist und mit seinem Diener Mosca („Fliege“) feixend die Investitionen der Dummköpfe zählt. Alsbald möchte sich Volpone zu seiner Familie nach Smyrna absetzen.

Corbaccio, die Krähe, enterbt stante pede ihren Sohn; und Corvino, der Rabe, lässt sich sogar darauf ein, Volpone seine Gattin Colomba zuzuführen – in der Hoffnung, den Kranken möge angesichts einer derartigen erotischen Übermacht der Schlag treffen. Eine folgenschwere Fehlkalkulation, wie wir wissen: Das Schockerlebnis stellt sich eher auf der anderen Seite ein.

Dennoch: Mindestens so viel aufbieten wie die fabelhafte Vogel-Riege müssen auch die Akteure des Hexenkessel Hoftheaters. Denn das durchtriebene Duo Volpone und Mosca ist eine Art Parade-Paar der Schauspielkunst, für das auch in Berlin erstklassige Vorbilder existieren. Unter der Regie von Dimiter Gotscheff hatte sich beispielsweise das Dreamteam Samuel Finzi und Wolfram Koch vor sieben Jahren im Deutschen Theater sein Mütchen an den dummen Erbschleichern gehörig gekühlt.

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