SEHEN : Schnupperwoche im Schweinestall

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Das komplette Theaterbusiness scheint im Urlaub herumzulümmeln. Sieht man von den üblichen saisonalen Freiluft-Hits einmal ab, hat es der Dramenfan zurzeit nicht leicht. Lediglich einige unermüdliche Puppen-, Off- beziehungsweise Kieztheater laden Kulturkonsumenten wacker in ihre Zuschauerräume.

Und dabei zeigt sich, dass man – ließe man sich von der allgemeinen sommerlichen Theatererschlaffung vorschnell anstecken – tatsächlich gleich wesentliche neue Trends verpasst! Im Weddinger Prime Time Theater zum Beispiel hatte gerade, mitten im Hitze-Sommerloch, die 85. Folge der Stadtbezirks-Soap GWSW („Gutes Wedding, schlechtes Wedding“) Premiere, die seit zehn Jahren mit hochgradigem Witz das Hauptstadt-Leben unmittelbar vor der Theatertür parodiert: Der „Dönertaxifahrer“, der VokuhilaPostbote, die sächselnde Ex-Stasi-Agentin und natürlich der kiezgrenznahe „Prenzlwichser“ stellen hier das handlungstragende Sitcom-Personal.

In der aktuellen Folge kann das Publikum hautnah erfahren, dass sich der viel zitierte (und selbstverständlich auch bereits vertheaterte) schwäbische BerlinZuzug längst nicht mehr nur auf den Prenzlauer Berg konzentriert: Der trendbewusste Stuttgarter, das legt der viel versprechende Episodentitel „Schnupperwöchle“ unmissverständlich offen (1. bis 5. August, 20.15 Uhr), ist auch im Wedding präsent. Im Prime Time Theater hört er auf den Namen Uwe Gammerdinger, ist Pädagoge und bittet seine Schützlinge, an der „High School Wedding“ im Rahmen besagten „Schnupperwöchles“ verschiedene Berufe auszuprobieren.

So werden dem urbanen Theater-Trendstreber nebenbei alle Modeberufe auf dem Info-Silbertablett serviert: Ebenso hoch im Kurs wie die Profession des Fitnesstrainers, die sich der Kiffer Curly erwählt, steht unter zeitgeistigen Teenies offenbar das professionelle Landleben, sofern es vom Reality-Fernsehen „Wedding TV“ dokumentiert wird: Nicht wenige Schüler landen beim „Schnupperwöchle“ im Schweinestall.

Kulturberufe hingegen scheinen nicht auf der Hitliste zu stehen. Bühnenaffine Eltern müssen mit der Karrierelenkung da wohl sehr früh anfangen. Eine gute Gelegenheit bietet das Puppentheater Firlefanz, das die Sommerpause ebenfalls tapfer durchschuftet und am Monatsende Mozarts Zauberflöte (20., 22. und 25. August, 16 Uhr) als Marionettenspiel für Kinder ab sechs Jahren zeigt.

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