Kultur : Sehen und träumen

Modell und Pläne zur künftigen Museumsinsel in einer Berliner Ausstellung

Bernhard Schulz

Nur Fachkundige halten die diversen „Masterpläne“ auseinander, die Peter-Klaus Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, mit leichter Hand zu skizzieren versteht. Ein Masterplan allerdings befindet sich auf dem Weg zur Realisierung: der für die Museumsinsel. Es geht langsamer voran, als man in der Aufbruchstimmung Ende der Neunzigerjahre hoffen durfte, aber immerhin: Es geht.

Von heute an werden die Planungen im Haus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unter dem Titel „Masterplan Museumsinsel. Ein europäisches Projekt“ öffentlich gemacht, insbesondere anhand des großen Modells, das ansonsten wohl verwahrt im Nordflügel des Pergamonmuseums ruht und den Museumsleuten, wie Schuster verriet, als moralische Stütze dient. Des Generaldirektors launige Eröffnungsrede am gestrigen Vormittag machte einmal mehr deutlich, wie man sich in den Staatlichen Museen über die Widrigkeiten des Alltags hinweghilft: indem man sich mit großartigen Zukunftsvisionen Mut zuspricht.

Mut bewiesen hat der Generaldirektor, als er den legendären Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Manfred Overhaus, höchstpersönlich durch die Katakomben der Museumsgebäude auf der Insel begleitete, um ihn von Notwendigkeit und Angemessenheit der geplanten „archäologischen Promenade“ zu überzeugen. Sie soll dereinst die Solitärbauten verbinden. Nun spricht Schuster lieber von „Passage“, denn sie sei kein „Kriechgang unter der Erde“. Weitgehend fließe Seitenlicht ein, und achtzig Prozent der Strecke seien in den Untergeschossen der Museumsbauten bereits vorhanden.

Die genauen Zeit- und Kostenpläne verkündete Florian Mausbach, als Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung derjenige, der die Bundesmillionen schließlich zu verbauen hat. Es ist der Bund allein, der die Baukosten trägt, nachdem sich das Land Berlin aus der Mitfinanzierung verabschiedet hat. Die Alte Nationalgalerie, als erster Bau der Insel bereits saniert, hat 74 Millionen Euro gekostet. Für das Bodemuseum, das im Oktober dieses Jahres kurz besichtigt werden kann, bevor es in den Endausbau geht und 2006 eröffnet wird, sind 154 Millionen Euro veranschlagt.

Zwei Mal zwei Toiletten

Das Neue Museum schließlich, der am stärksten vom Bombenkrieg in Mitleidenschaft gezogene und als einziger zu DDR-Zeiten nicht wieder in Betrieb genommene Bau, wird nach den Plänen des Engländers David Chipperfield mit einem Aufwand von 295 Millionen Euro saniert. Insgesamt, so Mausbach, schlage die Museumsinsel, wenn sie denn gegen 2020 fertig gestellt sein sollte, mit rund anderthalb Milliarden Euro zu Buche. Das ist – und Mausbach überging es höflich – gut die Hälfte mehr als die Summe, die noch Bundeskanzler Schröder beim Richtfest der Alten Nationalgalerie 1999 nannte.

Man kann also ein gewisses Verständnis für den gestrengen Haushälter Overhaus und die Abgeordneten des Bundestages haben, wenn sie sich lediglich auf schrittweise Mittelzuweisungen einlassen. Immerhin hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die nach dem Umzug von Parlament und Regierung den Schwerpunkt der Bundesbautätigkeit bildet, mit der Sanierung der Staatsbibliothek Unter den Linden noch ein weiteres Schwergewicht in ihrer Verantwortung: 326 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, „mehr als für den Umbau des Reichstages“.

Schuster indessen wäre nicht Schuster, würde er nicht immerfort die nächste und übernächste Etappe anpeilen: Die nächste ist das Pergamonmuseum, für das eine zweijährige Vorplanungszeit genehmigt ist, innerhalb derer der Kölner Architekt Oswald Mathias Ungers die drei Varianten seines Siegerentwurfs zur Entscheidungsreife ausarbeiten soll. Den Baubeginn setzte Schuster für 2010 an. Und, übernächste Etappe: Noch überhaupt nicht in der Feinplanung ist das zentrale Eingangs- und Servicegebäude, das Chipperfield auf der Freifläche zwischen Neuem Museum und Kupfergraben errichten soll. Die Staatlichen Museen ersehnen es dringlich. Ab 2005 werden die Schätze des Ägyptischen Museums, die Büste der Nofretete eingeschlossen, nicht mehr in Charlottenburg, sondern in Schinkels Altem Museum zu bewundern sein. „Das bedeutet im Klartext“ – so der Generaldirektor –, „dass wir im Jahr 500000 Besucher mehr zählen, und das wird zeigen, dass wir das Eingangsgebäude brauchen!“

Die Alte Nationalgalerie, die seit der Wiedereröffnung vor gut zwei Jahren mehr als eine Million Besucher verzeichnen konnte, wartet „mit zwei Damen- und zwei Herrentoiletten auf“, wie Schuster bewegend klagte: „Es ist das schiere Desaster!“ Wie sagte einer der klugen Redner zur Ausstellung „Das MoMA in Berlin“ so schön? Das Museum sei eben „ein soziale Erfahrung“.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Behrenstr. 42, bis 24. März, tägl. 10-18 Uhr.

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