Kultur : Sehnsucht nach den kleinen Krautern

Bröhan-Auktion bei Sotheby’s in London bringt dem Berliner Händler nicht den erhofften Gewinn

Matthias Thibaut

Zu den angenehmeren Überraschungen gehörte eine graue Anrichte von Gerrit Rietveld, die aussieht, als wollte sie sich in ihre Konstruktionselemente zerlegen. Das nach den Prinzipien des Neo-Plastizismus gefertigte „De Stijl“-Möbel kostete 142400 Pfund oder 204500 Euro und füllte in der Bilanz der Thorsten Bröhan–Auktion bei Sotheby’s in London so manches Loch. Denn die Sache lief nicht ganz so reibungslos, wie es sich der deutsche Händler und Sammler erhofft hatte, der die Auktion stehend, mit gelbem Schal umschlungen verfolgte. „Was nicht verkauft wurde, nehme ich gerne nach Berlin zurück“, sagte Bröhan anschließend und machte gute Miene zum bösen Spiel. Sein liebstes Stück gehört allerdings nicht dazu. Die Silbermetall-Teekanne der Wiener Werkstätten von Josef Hoffmann wurde von einem österreichischen Kollegen für 57600 Pfund erworben. Mehr als die Taxe, aber weniger als die 186000 Mark, die Bröhan 1986 dafür bezahlt hatte.

Unter den Rückgängen – über 40 Prozent der Lose – war ein Zickzackstuhl von Rietveld, ein Mackintosh-Stuhl, eine auf 15000 Pfund geschätzte „Ariel“-Vase von Edwin Öhrstrom und ein silberner Samowar des Darmstädter Albin Müller, der einzige seiner Art. Er hätte 15000 Pfund kosten sollen und eine Zier in der Wohnstube eines der superreichen Russen in London werden können – aber der Saal war dünn besetzt.

„Es gibt zu wenige Museumskuratoren mit wirklichem Wissen. Es fehlen die kleinen Händler wie früher, die bei den kleineren Objekten mitgeboten haben. Es gibt sie nicht mehr – weder in Deutschland noch London", klagte Bröhan nach der Auktion. Die Auktion stellte zwar einen Querschnitt durch die Designgeschichte dar, aufgrund der vielen Materialgruppen und Stile verwirrte sie jedoch eher – und sah zu sehr nach Ausverkauf aus. Trotzdem wurden Taxen immer wieder übertroffen – ob es der Prototyp einer Teekanne des Bauhauskünstlers Theodor Bogler war (19800 Pfund, verkauft an ein amerikanisches Museum) oder das Bauhaus-Schachspiel von Josef Hartwig (16800 Pfund), der silberne Anbietteller Henry van der Veldes (15000 Pfund) oder das Plakat für eine Stuhlausstellung 1935 im Züricher Kunstgewerbemuseum, das mit 3120 Pfund das Dreifache seiner Schätzung einspielte. 1,03 Millionen Euro brachte die Auktion, Startkapital für die Berliner „Bröhan Design Foundation“, die die von Bröhan beklagten Design-Wissenslücken schließen mag.

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