Großartig wie die Schweiz, üppig wie Norditalien

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Sehnsuchtsland Georgien : Ode an die kolchische Pimpernuss
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Investititionsgebiet in bester Lage. Der Freiheitsplatz.
Investititionsgebiet in bester Lage. Der Freiheitsplatz.Foto: David Mdzinarishvili/Reuters

Keiner von ihnen aber ist ruhmreicher als der deutsche Journalist und Schriftsteller Arthur Leist, der im Pantheon hoch über der Altstadt von Tbilisi begraben liegt. Nach seiner dritten Georgienreise im Jahr 1892 gab es für ihn kein Halten mehr. Er verließ seine Heimatstadt Breslau und ließ sich für immer in Tiflis nieder. Die Gründe hat er so unbestechlich dargelegt, wie es einem Verzauberten nur gelingen kann. Die Gebirgslandschaften, schreibt er 1903 in „Das georgische Volk“, seien „so großartig wie in der Schweiz“ und die „Niederungen fast ebenso üppig wie die von Norditalien“. Überhaupt fühle sich der Reisende, der vom Schwarzen Meer aus in Batumi an Land gehe, „in ein Paradies versetzt“.

Leists physiognomische Studien, die Mentalitätsdiagnosen und Skizzen weiblicher Schönheit und Seelengröße mögen in die Jahre gekommen sein: Die Farbigkeit seiner Schilderungen aus der Zarenzeit strahlt bis in die heutige postsowjetische Epoche herüber. Unübertroffen auch seine Leistungen als Kulturvermittler. Über 15 Jahre lang war er Chefredakteur der noch immer bestehenden deutschsprachigen „Kaukasischen Post“. Er war auch der Erste, der Shota Rustavelis Ende des 12. Jahrhunderts verfasstes Nationalepos „Der Recke im Tigerfell“, das heute in zahllosen Fassungen und Nacherzählungen vorliegt, in eine europäische Sprache brachte.

Rustaveli, dessen Namen einem an fast jeder Straßenecke begegnet, hat das wenig genützt. Sein kosmopolitisches Werk, dessen Verse die Alltagssprache bis heute durchdringen, ist hierzulande allenfalls ein Gerücht. Ähnliches könnte man von vielen bedeutenden Autoren behaupten. Vazha Pshavela, der mit seinen naturphilosophischen Langgedichten als Georgiens William Butler Yeats gilt, hat nur an entlegenen Orten Spuren hinterlassen.

Und wem käme Aka Morchiladze in den Sinn, wenn es darum geht, den erfolgreichsten und renommiertesten georgischen Gegenwartsautor zu benennen? Sein Schwarzmeerepos „Santa Esperanza“, dessen 36 Heftchen sich in beliebiger Reihenfolge lesen lassen, ging auf dem Buchmarkt unter wie ein Stein. Es ist also höchste Zeit, dass sich Georgien 2018 als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Schon für den bevorstehenden Herbst sind zahlreiche Titel zeitgenössischer Autoren angekündigt.

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