Kultur : Sehr griechisch - die Lokal-Posse von Avdeliodis

Silvia Hallensleben

Vielleicht kommen die naivsten und unschuldigsten europäischen Filme noch immer vom Rande des Kontinents. Von der Ägäisinsel Chios etwa, wo der Orient ganz nah ist und Brüssel sehr fern. Und wo ein Film drei Stunden dauern kann, nur damit am Ende ein junger Mann ein junges Mädchen in die Arme schließen darf. Das Mädchen ist eigentlich kriminell, eine Tulpen- und Kartoffeldiebin. Der junge Mann steht auf der Seite des Gesetzes, ein Feldhüter, ein Beruf, der bei uns schon ausgestorben ist, aber auf dem Chios der sechziger Jahre noch existiert. Vier dieser Feldhüter werden in den drei Filmstunden verschlissen, mit Gewehr und Uniform von der Inselhauptstadt eher widerwillig in das Dorf Tholopotamus versetzt, wo drei von ihnen auf mehr oder weniger freundliche Art untergehen. Daran soll das friedliche Dörfchen schuld sein, angeblich ein verwunschener Fleck Erde. Dabei scheitert doch jeder der Männer an seinen eigenen Macken. Einer nimmt die Gesetze zu ernst, der nächste ist ein Spieler. In Griechenland, wer einmal da war, weiss das, zählt die Zeit nur halb oder doppelt, je nach Rechnungsweise. Regisseur Avdeliodis, selbst Chiote, erzählt seine Geschichten bukolisch dahinplätschernd. Doch er kennt die Filmgeschichte. Und er kennt sein Land, das auch in puncto Obrigkeitsdenken am Rande Europas liegt. Ganz so unschuldig also doch nicht. Und am Ende siegt die Kraft der Liebe. Schön.Heute 12.15 (CinemaxX 3), morgen 10.15 (CineStar 8) u. 22 (Arsenal), So 18.30 Uhr (Delphi)

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