Kultur : Seifen- Sinfonie

Frederik Hanssen

Erinnern Sie sich noch an die kleinen Filmchen, mit denen früher nach der Tagesschau für Verkehrssicherheit geworben wurde? Hiermit fordern wir die sofortige Wiedereinführung der Spots – einziger Beitrag in der Dauerwiederholungsschleife: „Minimieren Sie die Unfallgefahr, indem Sie beim Autofahren ,Klassik Radio’ anschalten!“ Seit der Privatsender von den Hits der Vergangenheit fast komplett auf Filmmusik umgestellt hat, läuft kein Verkehrsteilnehmer mehr Gefahr, durch begeistertes Mitdirigieren die Kontrolle über seinen Wagen zu verlieren. Sanftmütig rollt man über die Autobahn, während der Softsinfonicsound aus den Lautsprechern quillt: Wer Klassik Radio hört, temposündigt nicht. Beim Bügeln verbrennt sich niemand mehr die Finger, weil kein allegro con fuoco zu ruckartigen Bewegungen verleitet. Und beim Sex gibt’s nur noch Klassik-Kuschel.

Mit der üblichen Verspätung haben auch unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mitbekommen, in welchem Maße man mit Seifenopern und weichgespültem Orchestergesäusel der Volksgesundheit dienen kann. Leider verhindert mal wieder die lästige Gremienarbeit eine restlose Umstellung der staatlichen Klassik-Kanäle auf jene Art von Dudelfunk in Dur und Moll, mit dem die private Konkurrenz die Massen zu bändigen versteht. Rundfunkräte dieser Republik: Wenn euch die Sicherheit eurer Kinder lieb ist (habt ihr ihnen nicht gerade zum Abi einen Golf und ’ne Eigentumswohnung geschenkt?), macht endlich den Weg frei für sinnfreie, seifige Musiksendungen! Danke sagt

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