Seiji Ozawas in Berlin : Die Gaben schöner Kunst

Der japanische Maestro Seiji Ozawa gab ein bewegendes Konzert mit den Berliner Philharmonikern. Es war der erste gemeinsame Auftritt seit 2009.

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Seiji Ozawa (Mitte) bei den Probenarbeiten mit den Philharmonikern.
Seiji Ozawa (Mitte) bei den Probenarbeiten mit den Philharmonikern.Foto: Martin Walz

„Hochgefühl“ und „Göttergunst“: Das sind die Gaben der Kunst, wie Beethoven sie in seiner Fantasie c-Moll für Klavier, Chor und Orchester besingt. Da der Komponist den Text nicht so geliebt haben soll, blieb dessen Autor lange unbekannt.

An diesem Abend aber trifft die Begeisterung der Verse des Dichters Christoph Kuffner auf ein besonderes Hochgefühl in der Philharmonie. Denn zurückgekehrt zu den Berliner Philharmonikern ist Seiji Ozawa – erstmals seit 2009 und außerhalb Japans überhaupt nach seiner Krebserkrankung. Intendant Hoffmann berichtet von der Treue zwischen den Musikern und dem Dirigenten bei der Probenarbeit. Die Philharmoniker haben Ozawa „als Ausdruck unserer tiefen Verbundenheit“ zu ihrem Ehrenmitglied ernannt.

Dass der Saal etwa halb mit Japanern und Japanerinnen besetzt ist, hat auch mit der traditionellen Neigung des Orchesters zur Heimat des Dirigenten zu tun. Wie eine Hommage à Seiji Ozawa spielt eine Elite-Formation der Philharmoniker dem Maestro, der aufgrund seiner Rekonvaleszenz erst nach der Pause auftritt, die „Gran Partita“ von Mozart zu. Diese zauberhafte Musik voller Überraschungen, angeführt von Jonathan Kelly (Oboe I), Wenzel Fuchs (Klarinette I) und Stefan Schweigert (Fagott I), ist eine kluge Programmwahl. Sie legt dem Dirigenten den ganzen Reichtum einer Bläser-Formation (mit Kontrabass) zu Füßen, ohne die Tiefendimension des folgenden Beethoven zu erstreben.

Die Philharmoniker spielen optisch und hörbar mit hohem Engagement

Hurtig, zierlich, die Arme schwingend betritt der 80-jährige Ozawa das Podium, um mit gewaltig lastender Fermate am Beginn der „Egmont“-Ouvertüre zu betonen, dass man sich nun in der ästhetischen Kategorie des Erhabenen bewegt. Die Philharmoniker spielen optisch und hörbar mit hohem Engagement. Der Überschwang einer revolutionären Utopie beherrscht die Interpretation mit ihrer „Siegessymphonie“ (Goethe). Schwieriger wird es mit der Chorfantasie, weil Peter Serkins Klaviersolo relativ blass bleibt, bis die Instrumente, die Bässe, die Bläser und der wunderbare Rundfunkchor ihm zu Hilfe kommen. „Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen, froh die Gaben schöner Kunst“: Orchester und Dirigent applaudieren sich gegenseitig, Standing Ovations, Atmosphäre des Außergewöhnlichen.

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