Kultur : Seit ich zwanzig bin

Eine Prise früher Fassbinder, eine Prise Straub & Co.: „Angst vor Tod“ von Jan Julius Galli

Silvia Hallensleben

Der Titel klingt irgendwie nach Fassbinder. Und auch das ästhetische Innenleben von „Angst vor Tod“ erinnert mit seiner kargen Schwarz-Weiß-Ästhetik an das Kino von Straub & Co. aus den späten sechziger Jahren, wo Szenen aus dem deutschen Studentenleben sich scheinbar mühelos mit Elementen aus amerikanischen Gangsterfilmen verbanden: Menschen in unmöblierten Altbauwohnungen, die zufällig eine Pistole in die Hand kriegen.

Stuck ist mittlerweile mega-out. Doch ratzeleer sind die Räume auch in diesem Film, in exakt austarierten und stimmungsvoll ausgeleuchteteten langen Einstellungen werden sie präsentiert. Darin und drumherum agieren in wechselnden Konstellationen die Bewohner: ein junges Ehepaar, der Hausfreund, eine böse Schwester, Freundinnen und Freunde. Es geht um Ehebruch, eine Entlassung und einen zufällig beobacheteten Mord – Regisseur Jan Julius Galli hat die Geschichte so elliptisch inszeniert, dass sich die Zusammenhänge nicht immer erschließen. Der Drogenkonsum ist exzessiv – ob aus Halb-Liter-Wodkaflaschen, einer Koksschachtel oder via Heroin. Irgendwann kommt die Pistole ins Spiel. Auch sonst merkt man den Filmemachern der „blind pilots“-Truppe die Lust an, mit der sie sich aus den Depots der Film- und Stilgeschichte bedienen. Dabei ist es ausgerechnet der 50er-Jahre-Retro-Look seiner Protagonisten, der diesen Film eindeutig im Heute ansiedelt. Alles hier ist aus zweiter Hand, wobei man nie ganz weiß, ob etwa die gestelzte Redeweise nun bewusster V-Effekt sein soll oder darstellerischem Unvermögen geschuldet ist. Diese Unbestimmtheit könnte durchaus reizvoll sein, müsste man nicht zugleich einen massiven Mangel an Substanz beklagen, der sich – wie so oft – mit tönender Phraseologie tarnt. Am Ende droht abgeklärte Frühvergreisung. „Seit ich zwanzig bin, fühlt sich alles gleich an“, sagt die Heldin einmal. Aber die begleitenden Gitarrenriffs sind wunderschön.

Tilsiter Lichtspiele; außerdem am Sonntag in der Brotfabrik und im Blow Up (am 27. und 28. März)

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