Kultur : Selbermachen

Jeans Team stellt sein lang erwartetes Album vor

Daniel Völzke

Das Jeans Team braucht keine eigenen Roadies. Vor dem Konzert stellen sie ihre Instrumente an die Plätze und stimmen sie ein letztes Mal. Die vier Berliner haben das Selbermachen verinnerlicht: Auch ihr zweites Album „Musik von Oben“ ist von ihnen selbst produziert. Über vier Jahre musste man darauf warten. Nun feiert Jeans Team im Festsaal Kreuzberg die Veröffentlichung (bei Louisville Records). Alles, was diese Band so besonders macht, ist sofort da: Diese seltsame Spannung zwischen introvertierter Unschuld und Exaltiertheit, zwischen studentischer Ironie und Altherrenswing. Sie sind gekleidet wie eine Ballhauscombo und raven wie Vorstadtkids. Zunächst regieren Housebeats, zu denen gesungen, geklimpert, gejamt wird. Die Jungs tänzeln zwischen den Instrumenten umher, spielen hier mal ein paar Akkorde auf Synthesizern, schlagen dort mal auf Drumpads und Darbukas ein, blasen in Flöten und lassen Glöckchen klingen. Meistens geht das gut – manchmal aber auch daneben. So bei dem auf Rumänisch gesungenen Lied „Moara Mea“: Die Gastsängerin Sonya Moraru steht hilflos zwischen einem Soundschwall, Rückkopplungen und den tobenden Bandmitgliedern. Durch den zunehmenden Enthusiasmus gewinnen die Lieder jedoch. „Oh Bauer“ gerät unvermutet aggressiv und man versteht: Wenn deutsche Bohèmiens von Authentizität träumen, sollte man es mit der Angst zu tun bekommen. Sänger Reimo Herfort marschiert zu „Königin“ die Treppen, die an die Bühne grenzen, auf und ab. Das wirkt wie eine Parodie auf DAF. Danach verschwinden die Melodien, stattdessen das allseits beliebte Einszweidreivier.

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