Kultur : Selbst ist der Mord

FRANK NOACK

Dan Rosen hat sich viel vorgenommen.Der Regisseur will das Scream"-Publikum erreichen, daneben aber noch einfühlsam und gesellschaftskritisch sein.Herausgekommen ist ein Film, über den man alles mögliche Positive sagen kann - nur spannend ist er nicht."Mörderische Freunde" handelt von den Studenten Tim und Chris, die um jeden Preis einen Platz an der Harvard University kriegen möchten.Mit ihren mittelmäßigen Noten schaffen sie es nicht, doch es gibt eine merkwürdige Regelung: Wer einen Zimmergenossen durch Selbstmord verliert, darf zum Trost nach Harvard gehen.Und wenn niemand Selbstmord begeht, kann man ja nachhelfen ...

Offensichtlich hatte Dan Rosen einen Psychothriller mit schwarzem Humor im Sinn.Hierzu fehlt es allerdings an psychologischer Glaubwürdigkeit.Michael Vartan (Chris) wirkt intelligent genug, um an einer Elite-Universität zu studieren, doch man nimmt ihm nicht die Bereitschaft zum Verbrechen ab.Bei Matthew Lillard (Tim) liegt der Fall umgekehrt, er hat das manische Grinsen eines Triebtäters, kann aber keine intellektuellen Ambitionen suggerieren.Was dem Film den Todesstoß versetzt, ist die typisch amerikanische Prüderie: Tim und Chris sollen für einen rücksichtslosen Hedonismus stehen, den Dan Rosen nicht zu zeigen wagt.Wieder einmal eine halbe Sache, für die die Zuschauer das volle Eintrittsgeld zahlen müssen.

Broadway, Cinemaxx Colosseum, CineStar, Delta, Filmbühne Wien, Filmtheater am Friedrichshain, Passage, Rollberg

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