Kultur : Selbsterfahrung durch Erforschung von Bewegung

Ines Altenrath

Es ist kein Theater, kein Tanz, keine Performance, keine Improvisation: In einer gewöhnlichen Turnhalle in der Chausseestraße 96 spielen neun junge Männer und Frauen in verschwitzten bunten T-Shirts und grauen Hosen Fußball, rückwärts laufend allerdings. Sie lachen und schubsen sich und manchmal fällt auch ein Tor. Die wenigen Zuschauer, barfuß auf dem muffigen Hallenboden hockend, schauen eher verständnislos zu, denn was hat dieses Spiel mit dem Tanzfest zu tun? Wird doch das Projekt E.X.T.E.N.S.I.O.N.S. (heute 10-17, morgen und Sonntag 16-23 Uhr) im Rahmen des Festivals Tanz im August angekündigt. Veranstalterin Petra Roggel erklärt das irritierende Geschehen selbstbewusst: "Das ist Forschung." In dem Fußballspiel werden angeblich Bewegungskonzepte umgesetzt, die weder bequem, noch effizient sein sollen, trotzdem machen sie den Beteiligten sichtlich Spaß. Lustvoll simulieren die Akteure verschiedene Körperbehinderungen und hüpfen einbeinig umher. Die Aktion ist gleichzeitig schon die Präsentation und eigentlich doch nur Selbstzweck: Die Gruppenmitglieder tauschen sich nach den verschiedenen Übungen im intimen Kreisgespräch aus, schwelgen in ihrem Selbsterfahrungstrip. Zwar dürfen sich Zuschauer dazusetzen und mithören, aber ist das überhaupt interessant? Später spielen einige aus der Gruppe sogar Tischtennis, während drei Frauen versuchen sich als imaginärer zusammengewachsener Organismus, an Beinen und Armen festhaltend, fortzubewegen. Ganze Sieben Stunden täglich will die Gruppe auf diese und andere Arten des Spiels "Forschung" betreiben. Doch im Grunde erinnert das ganze Treiben an chaotischen Sportunterricht in der Schule. Für die, die auf der Bank sitzen, war das schon immer langweilig.

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