Kultur : Seligster Zustand

PETER SÜHRING

Die Zugabe (Weberns langsamer Satz) machte es vollends klar: äußerste Konzentration, gepaart mit einem Gran Lässigkeit bringt den seligsten Zustand der Musik hervor.Das mochte die Zauberformel gewesen sein, mit der das Rosamunde Quartett im Kammermusiksaal der Philharmonie den Zuhörern zeigte, daß es beim Quartettspiel selbst mit intellektueller und emotionaler Stimmigkeit, Ensemblegeist und technischer Perfektion noch nicht getan ist.

Selbst Mozart brauchte lange, bis er meinte, er habe gelernt, "Quartetten zu schreyben".Von ihm erklang das wegen der schlingernden chromatischen Tonart- und Themasuche am Anfang immer noch experimentelle, späte C-Dur-Quartett (KV 465).Das Rosamunde Quartett nahm es, wahrscheinlich um den Kontrast zu den beiden Spätromantikern, die es einrahmten, nicht allzu groß erscheinen zu lassen, etwas frühromantisch, ein Mozart-Mißverständnis.Es klang wie eine gelungene, aber leicht ermüdende Unterhaltung unvernünftiger Leute, aber die letzten spitzen Pfeile Mozarts blieben unverschossen.

Die eigentliche Sensation des Abends war die Wiedergabe des c-Moll-Quartetts von Hans Rott (1858-84).In einschlägigen Lexika sucht man ihn vergeblich, noch einschlägigere Literatur weiß zu erzählen, daß er bei Bruckner gelernt, Mahler große Stücke auf ihn gehalten und Brahms ihn auf dem Gewissen habe.Unverständlich blieb, warum diese Musik schneller rostete und über Wien weniger hinauskam als die anderer seiner Zeitgenossen.Sicher ist vieles an ihr genialisch und epigonal, aber es gelingt Rott, die Musik einem Pulsieren zu unterwerfen, vom regelmäßigen Pochen bis zum Flimmern.

Hingegen machte Karl Goldmarks B-Dur-Quartett den Eindruck, hier würden ziemlich blassen Themen Klangreize injiziert, die aber nicht verhindern können, daß der Zusammenhalt amorph bleibt.Nur im Schönklang einer endlosen Unmelodie schwelgen, kann ja wohl nicht alles sein, was wir von Musik erwarten.

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