Kultur : Sensationeller Fund in Kiew: Der Nachlaß ist aufgetaucht

Tom Kirchhofer

Ein Aufsehen erregender Fund ist dem amerikanischen Musikwissenschaftler Christoph Wolff gelungen: In einem Archiv in Kiew fand er den Nachlass des Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788). Die Werke des Sohnes von Johann Sebastian Bach galten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Wolff, Musikprofessor an der Harvard-Universität, fand die Kompositionen nach über zwanzigjähriger Suche. Viele Wissenschaftler hätten befürchtet, die Werke seien zerstört und für immer verloren, nachdem es mehr als fünfzig Jahre keine Spur von ihnen gegeben hatte, berichtete Wolff in Boston.

Johann Sebastian Bachs zweiter Sohn Carl Philipp Emanuel Bach galt nach dem Tod seines Vaters 1750 als einer der bedeutendsten Komponisten des 18. Jahrhunderts. In dem jetzt in Kiew aufgetauchten Nachlass befinden sich neben den Partituren Carl Philipp Emanuels auch bereits bekannte Handschriften seines Vaters sowie Werke von anderen Komponisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Auch Briefe von Johann Wolfgang von Goethe sind in dem Archiv enthalten. Der aufregendste Fund sind nach Aussage von Wolff allerdings die Werke von Carl Philipp Emanuel Bach. Viele der Partituren seien seit zwei Jahrhunderten nicht mehr aufgeführt worden.

Etwa 5000 Dokumente umfasst der Nachlass von Carl Philipp Emanuel Bach laut Wolff. Aufbewahrt wurde er bis zum Zweiten Weltkrieg im Archiv der Berliner Singakademie. 1943 wurde das Archiv evakuiert, um es vor Kriegsschäden zu schützen. Nach Kriegsende wurden die Dokumente von russischen Behörden beschlagnahmt, und ihre Spur verlor sich.

Wolff verbrachte die letzten beiden Jahrzehnte damit, verschiedene Hinweise zu verfolgen, aber erst im April dieses Jahres gab es den entscheidenden Durchbruch: Ein Harvard-Kollege entdeckte ein russisches Dokument aus den Nachkriegsjahren, in dem die Existenz der Manuskripte in Kiew beschrieben wurde. Im Juni durfte Wolff die Dokumente im Zentralen Ukrainischen Staatsarchiv schließlich einsehen. Er habe in seiner Laufbahn viele Funde gemacht, sagte Wolff, aber nichts würde er als ähnlich gewichtig bezeichnen wie diese Entdeckung. Er hoffe, dass die Werke nach Deutschland zurückkehren könnten. Bisher sei allerdings noch keine Entscheidung über die Zukunft der Dokumente gefallen. Jetzt sollen die Dokumente erst einmal auf Mikrofilm kopiert werden.

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