Kultur : Serbischer Schnee

VORTRAG

Caroline Fetscher

Vorkriegszeiten lassen sich an der Sprache erkennen. Sie ist voller Alarmsignale. Der aus Sarajevo stammende Schriftsteller und Essayist Dzevad Karahasan legt uns nahe, diese Zeichen lesen zu lernen – erst verändert sich die Sprache, dann folgt die Gewalt. Am Beispiel Jugoslawien zeigt Bosniens berühmtester Gegenwartsautor, wie dieser unheimliche Wandel geschieht, welche Merkmale eine Gesellschaft warnen müssen. So meldet plötzlich das Fernsehen für den Ort Pale: „Heute ist der erste serbische Schnee gefallen.“ Serbischer Schnee? Kroatiens Staatschef kennt auf einmal „kroatenfeindliche Gene“ des Gegners. Eine Gassensprache bricht sich Bahn im politischen Reden, sie erzeugt Diskurse der Belagerung, der Angstproduktion und schließlich des „aufgezwungenen Vertrauens“, an dessen Ende Mafia statt Staat, Volksstamm statt Gesellschaft stehen, Parodien der Politik. Luzide und bildhaft analysiert Karahasan diese Prozesse, und man kann ihm dabei zuhören, wenn er heute seinen Vortrag „ Drei Schritte zum Teufel. Der Fall Balkan – das Ende der politischen Gesellschaft?“ hält (20 Uhr, Schloss Neuhardenberg . Vorverkauf: Tel. 0180 -517 0 517, Online: www.schlossneuhardenberg.de ).

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