Serienstart "Unschuldig" : Gut dosierte Unterhaltung

Dem kritischen Zuschauer fällt ein Stein vom Herzen: "Unschuldig", die mit großem Werbeaufwand platzierte Krimi-Serie auf "ProSieben", entpuppt sich nach Ausstrahlung der ersten Folge als nicht peinlich! Die Befürchtungen, die Serie würde die Schauspieler für andere Projekte verbrennen, Klischees bedienen und im Vergleich zu amerikanischen Vorbildern wie "CSI" kläglich abschneiden – sie sind wie weggewischt.

Diana Maier
Alexandra Neldel
Alexandra Neldel und Clemens Schick in "Unschuldig"promo

Zur Handlung: In grellen Rückblenden wird ein brutaler Mord an einer Frau erzählt, die im Bad eines luxuriösen Hotelzimmers erschlagen wird. Ihr Ehemann sitzt für das Verbrechen im Gefängnis und weist jede Schuld von sich. Durch die Recherchen von Anwätlin Dr. Winter (Alexandra Neldel) und ihren Mitarbeitern, dem Forensiker Sebastian Krüger (Erhan Emre) und dem Ex-Polizisten Marco Lorenz (Clemens Schick) wird deutlich, dass es sich um eine Verwechslung handelt.

Clemens Schick als expressiver Mittdreißiger

Besonders im Fall des Schauspieltalents Clemens Schick, der in der Rolle des Schurken der letzten "James Bond"-Verfilmung ("Casino Royale") einem größeren Publikum bekannt wurde, wird klar: Schick, der auf Theaterbühnen ebenso sicher agiert, wie vor der Kamera, verliert sein Gesicht nicht an die Serie.

Er spielt die Figur des ehemaligen Polizisten Marco Lorenz passgenau – was die Serienrolle im Hauptcast neben Alexandra Neldel und Erhan Emre ausfüllt – aber glatt genug bleibt, um ihn künftig nicht auf die Rolle des "Ex-Bullen" aus "Unschuldig" festzulegen.

Überhaupt ergänzt sich das Darsteller-Trio, dessen Aufgabe es laut Plot des Crime-Formates ist, Justiz-Irrtümer aufzuklären, in der ersten Folge ganz ungezwungen. Alexandra Neldel, die durch ihre Erfolge im TV-Seriengeschäft von der einstigen Zahnarzthelferin zur zahnbespangten Hauptdarstellerin der "Lisa Plenkse" in "Verliebt in Berlin" aufstieg, überzeugt als beherzte Juristin in der Rolle der "Dr. Anna Winter". Neben Clemens Schick, der dem Format den Charme eines expressiven Mittdreißigers verleiht, sorgt Erhan Emre in der Figur des Forensikers "Sebastian Krüger" für bürgerliche Seriosität.

Der Schluss der Geschichte, natürlich ein "Happy End", wird zum Glück mit wenigen Bildern schnell erzählt: Die Anwältin und ihr Team holen den zu Unrecht Inhaftierten aus dem Knast. Fertig. Keine Zeit für Tränen oder gefühlstrunkene Umarmungen. Das könnte den Geschmack des deutschen TV-Publikums treffen. Da müssen sich selbst im weiteren Sinne vergleichbare Formate, wie der sonntägliche "Tatort", der immer wieder mal verstaubt daher kommt, warm anziehen.

Auch die Kunst, szenenübergreifend rasante Schnitte zu fahren, wird Fans im Publikum finden. Bisher wurde deutschen Produktionen diese Ambition eher als mißglückte "Video-Clip-Ästhetik" ausgelegt. Selbst die wiederkehrenden Close-Ups der Hauptdarsteller, seien es die weit aufgeschlagenen blauen Augen der Alexandra Neldel, die mit dieser Rolle ein deutlich erwachseneres Publikum erobern wird, oder ein spitzbübisches Lächeln von Clemens Schick - der Mut zu einer zeitgemäßen Bildsprache des Serienformates macht sich bezahlt.

Platte Dialoge zu Beginn

Weniger beglückend sind hingegen einige, wenige platte Dialoge. Zu Beginn, als Anwältin Dr. Anna Winter gefragt wird, warum sie eigentlich macht, was sie tut und Neldel antworten muss: "Weil's mein Beruf ist", schüttelt einen doch die Fremdscham.

Die erste Staffel von "Unschuldig", sie stammt aus dem Hause der TV-Produzenten "TeamWorx" ("Dresden","Sturmflut"), ist bereits abgedreht. Zwölf Episoden werden ausgestrahlt. Weitere Drehbücher harren ihrer Fertigstellung - sollte die Quote auf dem einstigen Sendeplatz von "Desparates Housewifes" nach oben schnellen.

Berlin zeigt sich als Drehort mit vielen schönen Gesichtern. Die gewählte Ästhetik der Schauplätze setzt sich in der Anmutung der Pressefotos fort, die zum Start der Serie veröffentlicht wurden. Kein geringerer als Foto-Urgestein und Neuberliner Jim Rakete hat sie eigens für den Sender geschossen.

Unter die Zyklen der modernen Vermarktungsstrategie – der Serienstart wurde wie eine Kino-Premiere in Berlin gefeiert – fällt auch die sofortige Möglichkeit zum Download der ersten Episode für 1,99 Euro auf der von Pro-Sieben-Sat-1 betriebenen Online-Videothek "Maxdome".

Fazit: Überraschend gut gelungener Serienstart für die schnelle Unterhaltung zwischendurch.

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