Kultur : Setzt euch zu mir

11.02.2012 00:00 UhrVon Christiane Meixner

Künstlerporträt: „Marina Abramovic – The Artist is Present“ im PANORAMA.

In den siebziger Jahren gelangen Marina Abramovik Performances von ungeheurer Körperlichkeit. Sie und ihr Lebensgefährte Ulay stellten sich nackt in die Türrahmen von Museen oder Galerien und zwangen die Besucher zum intensiven Körperkontakt. Richtig weh taten Videos, in denen sich die beiden gegenseitig ohrfeigen oder bis zur totalen Erschöpfung ineinander laufen. Feminismus, flüchtige Kunstformen, die Eroberung des von männlichen Kollegen dominierten Marktes – das alles spielte eine Rolle in den kompromisslosen Auftritten. Und heute? Holt sich die 65-jährige Künstlerin die Lorbeeren für ihre Kunst von damals ab: So feierte sie das Museum of Modern Art (MoMA) in New York 2010 mit einer Einzelausstellung, die über eine halbe Million Menschen anzog.

Sie ist eine Wegbereiterin der Performance. Was aber die Dokumentation „The Artist is Present“ aus der ehemaligen Avantgardistin oder besser: Was Abramovik in den 106 Minuten macht, ist stellenweise schwer erträglich. Zu permanenter Klaviermusik werden die Vorbereitungen für jene Schau getroffen, in der ihre Studenten für das Reenactment der alten Performances proben, während die Künstlerin sich auf ein neues, kräftezehrendes Experiment vorbereitet: Während der Ausstellung saß sie drei Monate lang täglich sieben Stunden im Atrium des Museums und lud die Besucher ein, sich zu ihr an den Tisch zu setzen. Einer nach dem anderen und bitte bloß Menschen mit good vibrations. Andernfalls gab Abramovik dem Sicherheitspersonal ein Zeichen, und die Session wurde vorzeitig beendet. So wie im Fall der jungen Frau, die am Tisch ihr Kleid fallen lässt.

Den längsten Teil des Films nehmen jene Begegnungen ein, in denen es zum „geistigen Dialog“ kommt. Klaviermusik, Fokus auf die Gesichter, pathetischer Augenaufschlag. Marina Abramovik erinnert mitunter an eine schamanische Heilerin, in deren Nähe die Menschen zu lächeln beginnen. Oder zu weinen. Beides hält die Kamera gnadenlos fest. Die zweifellos interessante Dokumentation über das Leben und die Ansichten einer wegweisenden Künstlerin, ihre Gespräche mit Studenten und Kuratoren, gerinnen so zum Seelenkitsch. Christiane Meixner

11.2., 17 Uhr (International),12.2.,12 Uhr (CineStar 7), 18.2., 17 Uhr (CineStar 7) 19.2., 15.30 Uhr (Colosseum 1)

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