Kultur : Sex im Pool

Frances McDormand verzaubert „Laurel Canyon“

Jan Schulz-Ojala

Alex (Kate Beckinsale) ist eine ganz Hübsche. Und eine ganz Brave. „No thank you“, sagt sie immer wieder, wenn freundliche, aber nicht ganz zuverlässige Menschen sie den mannigfaltigen Versuchungen des Lebens auszusetzen trachten. Auch ihr Verlobter Sam (Christian Bale) ist so ein Lieber. Und ein ganz Treuer. Erotischen Gefahren, wie sie ihm etwa durch Kollegin Sara (Natasha McElhone) drohen, begegnet er stets mit dem tapferen Vorschlag, sich gemeinsam zur „Sublimierung“ durchzuringen. Wenn also Sam sich erstmal richtig etabliert hat als Neurologe an der Klinik in Los Angeles und die propere Alex ihre Dissertation über das sexuelle Verhalten der Fruchtfliege erfolgreich zum Abschluss geführt, dürfte einer ganz und gar ordentlichen Zukunft nichts mehr im Wege stehen.

Wenn da nicht Sams Mutter wäre: Die Plattenproduzentin Jane (Frances McDormand) vernascht in ihrem Luxus-Lotter-Haus in der wegen ihrer locker-lustvollen Bewohnerschaft legendär übelbeleumundeten Straße Laurel Canyon seit jeher mit Vorliebe die stets jungen Leadsänger der Bands, die sie herausbringt – und auch gegen die körperliche Liebe zwischen Frauen hat sie grundsätzlich nichts einzuwenden. Sie liebt so locker und offen wie ihr derzeitiger, sechzehn Jahre jüngerer Lover Ian (Alessandro Nivola): Der würde es auch keineswegs verschmähen, abwechslungshalber mal vom Fruchtfleisch gewisser Fruchtfliegendissertantinnen zu naschen.

Schöne Geschichte. Erst recht fürs Kino. Die Milos-Forman-Schülerin Lisa Chodolenko hat nach ihrem ehrgeizigeren und weitaus weniger entspannten Erstling „High Art“ (1997) aus dem New Yorker Künstlermilieu mit „Laurel Canyon“ eine lockere Sex’n’Drugs’n’Rock’n’Roll-Story geschrieben. Und gleich selber verfilmt. Nun, es ist eher eine Softsex- & weiche-Drogen & Prosecco-Pop-Geschichte. Aber das macht gar nichts, im Gegenteil. Man sieht den punktgenau vorhersehbaren erotisch-emotionalen Verwicklungen, die sich aus vorweg angespielter Konstellation ergeben, mit Vergnügen zu. Und, augenblicksweise, sogar mit Zärtlichkeit für jene Figuren, die da ihre Wege suchen oder, wie die alles überstrahlende Jane, irgendwann ein entscheidend klitzekleines Bisschen neu justieren.

Überhaupt, Jane alias Frances McDormand: Sie ist das Ereignis dieses Films. Als ewiger Hippie mit wilder Blondmähne, als feurige Verführerin, die vom Leben nimmt, was das Leben gibt, spielt sie alle anderen an die Wand. Und das soll sie auch. Jedenfalls eine Zeitlang. Schließlich erzählt der Film die im Kino noch gar nicht mal so oft erzählte Geschichte einer Generation, die ihre rabaukenhaft-rebellische Jugend auf der Reise ins Älterwerden nie ganz abgestreift hat – weshalb ihren eigenen Kindern zwecks zwangsläufiger Unterscheidung von den „Alten“ nur der Gang in die spießerhafte Frühvergreisung bleibt. Die zunächst stets wie aus dem Ei gepellte Kate Beckinsale erst als Superschwiegertöchterchen und der nicht minder muntere Christian Bale, den wir als kleines, harmloses Brüderchen eines Tom Cruise sogleich ins Herz schließen, widmen sich dieser schauspielerischen Herausforderung mit Hingabe. Nur Natasha McElhone, die zarteste Versuchung, seit es Neurologinnen gibt, liegt als abgründig expressive Catherine Deneuve für kleine Tom-Cruise-Brüder leicht neben der Spur.

Macht alles nichts. Der Rest ist Musik. Und ein ACDC-Shirt, das – sehr hübsch – von Busen zu Brust zu Busen wandert. Und eine Poolparty, so unwiderstehlich ausgeleuchtet, dass gänzlich bezauberte Zuschauer geradewegs zum Sprung in die Leinwand ansetzen dürften.

Alhambra, Cinemaxx Potsdamer Platz,

Cinestar Sony Center (OV), Kulturbrauerei, Kosmos, Rollberg

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