Kultur : Sex nach dem Tod

„Ach, du lieber Geist...“ im Berliner Theater am Kurfürstendamm

-

Gut lässt es sich leben in der Seniorenresidenz für Schauspielerinnen mit dem anheimelnden Namen „Birkenhain“. Leben und Liebe, Karriere und Ruhm sind hübsch geordnet und abgelegt, Männer stören nicht mehr. Natürlich stören sie noch immer. Das ist der auf zwei Stunden gedehnte Witz der Komödie „Ach, du lieber Geist...“ des 1946 in Windsor geboren Simon Williams. Versuchen wir es kürzer: Der angejahrte EdelMime Leo, Liebling der Frauen seit ach wie vielen Jahrzehnten, taucht in dem mit noblem Trödel vollgestopften Alterssitz auf und begegnet dort seiner Ehemaligen, seiner Gegenwärtigen und seiner Zukünftigen. Zuviel auch für einen kampferprobten Schwerenöter. Leo geht mit Herzinfarkt von der Lebensbühne ab und taucht als Geist wieder auf, um seine erotischen Abenteuer tapfer zu Ende zu spielen. Tolle Überraschung: Wie die Erste war, sind die anderen nicht, und am Ende vereinen sich zwei Geister (Ursprungsfrau Margot hat sich inzwischen auch entkörperlicht) in wahrhaft ewiger Liebe.

In ihren Dialogen (deutsch von Wolfgang Spier) kommt die Komödie sehr gewichtig, wie aufgepumpt daher und sucht die Pointen im unerschöpflichen Vorrat der Anzüglichkeiten. Die Theater-Damen hängen nämlich all dem, was mit Männern möglich war, in treuester Erinnerung an. Und manchmal auch im Zweifel: Schreibt man Orgasmus mit einem oder mit zwei „s“? Die Darsteller haben es schwer genug, zumal selbst der nun wirklich erfahrene Regisseur Wolfgang Spier an dem verzweifelt genügsamen Dialog scheitert. Etwas dem Titel gemäß geisterhaft Schwebendes, Leichtes bleibt unerfüllte Hoffnung, auch in dem verpusselten, detailverliebten Bühnenbild von H. U. Thormann.

Immerhin, Renate Holm als Margot Buchanan steht den Abend mit Würde durch. Sie hält Distanz zur Einfallsarmut, gibt sich nicht widerspruchslos an die herbeigequälten Wirkungen des Handlungsverlaufs hin, behauptet komödiantischen Witz. Claus Biederstaedt, der mit der Rolle des Leo Buchanan seine Arbeit am Theater beenden will, hat solche Sorge nicht, er legt den Schlawiner hin, dass sich die Balken ächzend biegen, hat in einigen Momenten aber auch den Mut, sich selbst zu parodieren. Ingeborg Krabbe und die anderen Damen bleiben beim Durchschaubaren. Wenigstens wird die Vereinigung der Geister mit ein bisschen Dampf und bei langsam verlöschendem Licht verzogen - dann ist man auf den sommerlichen Kurfürstendamm entlassen.

Nächste Aufführungen: 15. Juni 18 Uhr; 17. bis 20. Juni 20 Uhr; 21. Juni 16 und 20 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben