• Sexstars sind die größten Langweiler Schwullesbische Filme im Panorama. Ein Streifzug

Kultur : Sexstars sind die größten Langweiler Schwullesbische Filme im Panorama. Ein Streifzug

Frank Noack

Was machen Frauen, die einander lieben, wenn sie unter sich sind? „Die reden bestimmt viel“, „Die sind nur lieb zueinander“,, „Die achten mehr auf innere Werte“. Die Männer, die das sagen, sind schwul und lachen manchmal selbst über solche Sätze. Sie sind Teil eines anregenden Projekts: Für „Fucking Different“ haben sieben lesbische Regisseurinnen Kurzfilme über Schwule und sieben schwule Regisseure Kurzfilme über Lesben gedreht. Gibt es ihn nun, den männlichen und den weiblichen Blick? Die wenigen harten, schmerzvollen Momente des Episodenfilms stammen von Männern. Im Stil dumpfer Schwulenpornos porträtiert Jürgen Brüning eine Lesbe, die zum Gestöhne von Tennisspielerinnen masturbiert und damit ihre Nachbarin anlockt. Dagegen fängt Natalie Percillier einen Quickie zwischen zwei Männern so weich gezeichnet ein, als wolle sie für ein Waschmittel werben. An der Ergiebigkeit des Experiments ändern solche Ausrutscher nichts.Morgen, 22 Uhr (CinemaxX 6).

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Veronika Minders hatte Mann und Kind, bevor sie beschloss, lesbisch zu werden. Ihr Film „Katzenball“ ist frei von Ghetto- Mentalitäten – vielleicht auch, weil er nebenbei die jüngere Geschichte der Schweiz erzählt. Die von ihr interviewten Frauen sind eloquent, kultiviert, undogmatisch. Alle Generationen kommen zu Wort: eine feine Oral History. Heute, 20 Uhr; morgen, 12.30 Uhr; 19.2. 17 Uhr (CineStar 7)

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Viel und ergiebig geredet wird auch in Rosa von Praunheims „Männer Helden schwule Nazis“. Praunheim hat schon lange nicht mehr provoziert, will er das hier nachholen? Der Film lässt Opfer des NS-Terrors zu Wort kommen. Aber er dokumentiert auch, in penetrant-vereinfachendem Guido-Knopp-Stil, die über Generationen hinweg zentrale Rolle von Schwulen in rechten Bewegungen. Seine Interviewpartner sind nie um Argumente verlegen. Sie erklären, unter Stalin seien ihresgleichen brutal verfolgt worden, dennoch wundere sich niemand über schwule Kommunisten. Und wenn man sowieso diskriminiert wird, warum soll man dann nicht gleich in eine homophobe Partei eintreten? Praunheim enthält sich eines Kommentars. Man ist nach diesem Film nicht klüger. Bestimmte Phänomene muss man einfach hinnehmen. Heute, 17 Uhr; morgen, 14.30 Uhr (Cinestar), 18. Februar, 15 Uhr 30 (Colosseum)

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Was immer man den rechten Schwulen vorwerfen mag, sie haben wenigstens Interessen außerhalb ihrer Sexualität. Das kann man von den Herrschaften, die Julia Ostertag in „Gender X“ vorstellt, leider nicht behaupten. Drag Queens, die sich über ihre Intersexualität äußern, nehmen durch Glamour und Temperament für sich ein, aber gibt es nicht auch ein Leben jenseits des Schminktischs? 18. Februar 20 Uhr; 20. Februar, 22 Uhr 30 (Cinestar)

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Ziemlich unergiebig ist der Blick, den Jochen Hick in „Cycles of Porn“ hinter die Kulissen eines kuriosen Hotels wirft: „Big Brother“ mit mehr Sex. Die Zimmer werden von angehenden Pornostars belegt, ständig läuft die Kamera. Das Handwerk des Regisseurs kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sexuelle Exhibitionisten die größten Langweiler sind. Sie zeigen alles auf einmal – und haben binnen Sekunden ihr Repertoire erschöpft. Morgen, 20 Uhr; 19. Februar, 22.30 Uhr (Cinestar 7)

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