Kultur : Sexualleben

Am 6. Mai feiert alle Welt den 150. Geburtstag von Sigmund Freud. Bis dahin lesen wir täglich vom Pionier der Psychoanalyse

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Sie werden gewiß gehört haben, meine Herren, dass der Begriff des Sexuellen in der Psychoanalyse eine ungebührliche Erweiterung erleidet in der Absicht, die Sätze von der sexuellen Verursachung der Neurosen und von der sexuellen Bedeutung der Symptome aufrechtzuerhalten. Sie können nun selbst darüber urteilen, ob diese Erweiterung eine unberechtigte ist. Wir haben den Begriff der Sexualität nur soweit ausgedehnt, daß er auch das Sexualleben der Perversen und das der Kinder umfassen kann. Das heißt, wir haben ihm seinen richtigen Umfang wiedergegeben. Was man außerhalb der Psychoanalyse Sexualität heißt, bezieht sich nur auf ein eingeschränktes, im Dienste der Fortpflanzung stehendes und normal genanntes Sexualleben.

Aus: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Wien 1915–1917. Studienausgabe in 10 Bänden, Band I, hg. von Thure von Uexküll und Ilse Grubrich-Simitis, S. Fischer Verlag, 1989.

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