• Sexualverbrechen: Nicht ohne Hoffnung - Warum eine Therapie der Täter besonders schwer ist

Kultur : Sexualverbrechen: Nicht ohne Hoffnung - Warum eine Therapie der Täter besonders schwer ist

Bas Kast

Sind Sexualtäter therapierbar? Welche Therapien gibt es, und wie wirksam sind diese? Kaum ein Feld der Psychologie ist so schwierig. Denn selbstverständlich gibt es nicht "den" Sexualtäter. Exhibitionismus beispielsweise ist nicht gleichzusetzen mit brutaler Vergewaltigung. Die zweite Schwierigkeit liegt darin, zu bestimmen, wie effektiv die verschiedenen Therapieansätze sind. Der Grund: Oft werden in der Praxis Therapien vermischt.

Zum Thema Online-Umfrage: Sexualstraftäter "für immer wegsperren"? Die verschiedenen Therapieansätze unterscheiden sich bereits in der Auffassung, wie ein Mensch überhaupt zum Sexualtäter wird. Psychoanalytisch orientierte Theorien vermuten, dass Sexualtäter Probleme mit ihrer Männlichkeit haben - aufgrund ihrer Erziehung und ihrer frühen Lebenserfahrung. Konsequenterweise setzt hier die Therapie an: Mit tiefenpsychologischen Gesprächen versucht man, zurück in die Kindheit zu gehen und durch Einsicht in die Ursachen das Leiden an der Wurzel zu packen.

Lernpsychologische Theorien gehen davon aus, dass besonders Männer eine biologische Kraft in sich haben, in der Sexualität und Aggressivität eng verknüpft sind. Im Laufe des Lebens müssen sie lernen, beides zu trennen, das heißt: mit der Sexualität vernünftig umzugehen. Ist dieser Lernvorgang gestört, besteht die Gefahr zu späteren Sexualstraftaten. Da die Störung letztlich "gelernt" ist, kann sie theoretisch wieder "umgelernt" werden. Die Therapie versucht also, dem Sexualtäter beizubringen, Reize neu zu interpretieren: Reaktionen auf aggressive Reize werden abgebaut, soziale Fähigkeiten wie Selbstkontrolle ausgebaut.

Zwar können beide Therapieansätze einen gewissen Erfolg nachweisen, insbesondere bei nicht so schweren Fällen. Aber gerade an Schwerverbrechern scheitern die Therapien häufig. So hat eine Studie der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden knapp 780 Fälle von Tätern untersucht, die wegen Kindesmissbrauchs, sexueller Gewaltdelikte und exhibitionistischer Handlungen verurteilt worden waren. Das Resultat: Viele Täter, die Kinder missbraucht hatten, erwiesen sich häufig als schwer oder gar nicht therapierbar. 40 Prozent der als besonders gefährlich eingestuften Sexualstraftäter, die stationär in der Psychiatrie untergebracht waren, begingen "recht schnell" nach ihrer Entlassung erneut Sexualdelikte. Dennoch heißt das nicht, dass Therapien stets aussichtslos sind. Immerhin, so die Studie, werde 47 Prozent der Straftäter insgesamt nicht rückfällig.

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