Kultur : Shakespeare mit Happy-End: "Regierung des Königs Edward III." aus Köln

Rüdiger Schaper

Es heißt ja immer, viele tolle auswärtige Aufführungen ließen sich nicht gut nach Berlin verpflanzen, das Beste (auch eine uralte Ausrede!) bliebe dabei auf der Strecke. Nun, dieser Kölner Shakespeare passte einwandfrei in die dunkelbrauen Wände des Schiller-Theaters, schien für das Haus der verblichenen Staatlichen Schauspielbühnen geradezu geschaffen. Erinnert sich noch jemand daran, wie Frank-Patrick Steckel, der Regisseur und Übersetzer der "Regierung des Königs Edward III." damals gegen die Schließung des Schiller-Theaters protestierte? Er stand mit geballter Faust an der Rampe und prophezeite einen Kulturkampf ohne Ende. Nun ja. Nirgends geht das Leben schneller weiter als auf der Bühne.

Ein unbekannter Shakespeare mit seltenem Happy-End - wenn es denn wirklich ein Shakespeare ist! Die Frage wird im Lauf von dreidreiviertel Stunden zweitrangig. Steckels deutscher Text (denn ein englisches Kampf- und Königsdrama aus der Shakespeare-Zeit ist "Edward" in jedem Fall) hat eine feine Poesie und Ironie. Man hört dem Hauptdarsteller Jochen Tovote mit Gewinn zu. Steckels inszenatorische Arrangements sind weniger ironisch. Da geht von Anfang an so manches, nachher immer mehr in die Richtung unfreiwilliger Komik - die Holzschwerter, die angeklebten Bärte, die Gewänder und Rüstungen (Ausstattung: Andrea Schmidt-Futterer), die Kölns Ritter wie Rauschgoldengel am Weihnachtsbaum aussehen lassen.

Auf einem schmalen Grat von konzentriertem Zuhören und allzu tiefer Meditation über Macht und Krieg und Ehre und Theaterschlaf wandelt der Zuschauer. Steckels verlangsamte Aufmarschrituale wirken doch erstaunlich blutleer, bei der Eroberung Frankreichs! Der Applaus nachher war ordentlich kräftig. Ein echter deutscher Stadttheaterabend. Soll man nicht verachten. Davon gibt es immer weniger. Ab Freitag gibt es die zwölfstündigen "Schlachten!" aus Hamburg. Wieder Shakespeare. Er ist der Chef des 37. Theatertreffens, das unter dem geheimen Motto Sein oder nicht sein läuft.

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