Kultur : Shimon Peres über die Rolle seines Landes in der Weltpolitik

Ralf Balke

Im Jahr 1997 gründete Shimon Peres das "Peres Center for Peace", eine nicht-staatliche und überparteiliche Organisation. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, durch wirtschaftliche und kulturelle Projekte einen Beitrag zur Schaffung eines neuen, friedlichen Nahen Osten zu leisten. Dass dies alles andere als einfach ist, sollte kaum einer besser wissen als Shimon Peres selbst. Als Ministerpräsident und Außenminister hat er alle wichtigen Posten in der israelischen Regierung bekleidet. Deshalb hat er seine Ansichten zu Papier gebracht, wie die Politik des nächsten Jahrtausend aussehen sollte.

Für Peres, der als ein möglicher Nachfolger für Staatspräsident Weizman gilt, nimmt Israel eine Schlüsselposition in der Welt ein: Israel soll ein Leitbild sein, wenn es darum geht, Dauerfeindschaften zu überwinden und einen kleinen, ressourcenarmen Staat in eine blühende High-Techlandschaft zu verwandeln. Genau deshalb setzt er auf Ausbildung und Know-how als wichtigstes Zukunftskapital. Der Faktor Land spielt für ihn dagegen eine immer geringere Rolle. Strategische Tiefe ist angesichts der Raketentechnik überflüssig geworden, und Industrieparks brauchen nicht dieselben Flächen wie früher der Ackerbau. Genau deshalb ist Land für Frieden eine Losung, die heute unproblematischer durchzusetzen ist als früher.

Das klingt gut. Aber das Ganze liest sich alles dann doch ein wenig zu simpel. Gerade im Nahen Osten ist "Territorium" durch Begrifflichkeiten wie "Heiliges Land" oder "Eretz Israel" emotional und religiös aufgeladen. Jeder Israeli oder Araber würde über die Ausführungen des Friedensnobelpreisträgers angesichts dessen eigener Rolle in der Politik nur hämisch grinsen.

Denn Shimon Peres hat zwei Gesichter. Er ist nicht nur einer der Motoren des Friedensprozesses, sondern er gilt auch als innenpolitischer Intrigant. Wenn er rückblickend auf den Tag des Mordes an Ministerpräsident Rabin schreibt: "Ich kannte Jitzhak seit nunmehr fünfzig Jahren. Nie zuvor hatte er mich mit dieser Wärme umarmt," dann verkündet er unfreiwillig eine Wahrheit. Die beiden Politiker hatten jahrzehntelang eine Fehde ausgetragen.Shimon Peres: Man steigt nicht zweimal in denselben Fluß. dtv, München 1999. 157 Seiten. 24 DM.

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