Shirley Bassey zum 80. : Die Königin

Sie ist die Königin des britischen Pop, mit 140 Millionen verkauften Tonträgern: ein Geburtstagstusch zum 80. von Shirley Bassey.

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Dame Commander of the British Empire. Den Ritterschlag von Queen Elizabeth II. erhielt sie 1999.
Dame Commander of the British Empire. Den Ritterschlag von Queen Elizabeth II. erhielt sie 1999.Foto: dpa

Ihr jüngster Auftritt war ein Triumph. Das Fernsehspecial, das die BBC am Weihnachtsabend zu ihren Ehren ausstrahlt, beendet Shirley Bassey mit einem Selbstbehauptungshit, der klingt, als sei er eigens für sie geschrieben worden. „I am what I am / I am my own special creation“, singt sie, begleitet nur von einem Flügel und ein paar Streichern. Ihre mit Silberfäden durchwirkte himbeerrote Robe glitzert, an den Ohren baumeln Juwelen. „So come take a look / Give me the hook or the ovation.“ Ein Gänsehautmoment. Feuern oder Feiern? Was für eine Frage. Die Zuschauer im Studio erheben sich von ihren Plätzen und applaudieren frenetisch.

Shirley Bassey, die an diesem Sonntag 80 Jahre alt wird, ist die Königin des britischen Pop. Sie hat 140 Millionen Tonträger verkauft, diesseits von Las Vegas gibt es keine Entertainerin, die den Pomp und die Grandezza des Showgeschäfts überzeugender verkörpert. Das erste Kleid, das ihr auf den Körper geschneidert wurde, war mit 150 000 Kristallen besetzt. Aber Bassey sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit kommen würde, und dann auch noch eine Dame werde.“ Dass sie so weit kam, hat sie ihrem Talent und Fleiß zu verdanken. Der Titel Dame Commander of the British Empire, das weibliche Gegenstück zum Ritter, wurde ihr 1999 von Königin Elisabeth II. verliehen.

Bassey stammt aus armseligen Verhältnissen. Sie wächst in der berüchtigten Tiger Bay der walisischen Hafenstadt Cardiff als jüngstes von sieben Kindern auf und muss sich das Bett mit zwei Geschwistern teilen. Ihr Vater, ein nigerianischer Seemann, verlässt die Familie, als die Tochter zwei Jahre alt ist. Mit 14 bricht sie die Schule ab, arbeitet als Packerin in einer Geschirrfabrik, singt in Pubs, um sich etwas dazuzuverdienen, und landet in einer Revue, die vom Fernsehen übertragen wird. 1956 erscheint ihre Debütsingle „Burn My Candle“, deren Text so zweideutig ist, dass die BBC sie nicht spielt.

Gleich drei Mal hat sie den Titelsong für einen Bond-Film interpretiert

Die sechziger Jahre, eine Zeit der Befreiung, werden zur Ära von Shirley Bassey. Sie bringt Songs wie „What Now My Love?“ oder „Big Spender“ in die Charts, mit Alben wie „This Is My Life“ oder „Something“ fusioniert sie Beat und Orchesterschmelz. Und sie darf zwischen 1964 und 1979 gleich drei Mal das Titelstück für einen James-Bond-Film aufnehmen, „Goldfinger“, „Diamonds Are Forever“ und „Moonraker“. Dabei hilft ihr, dass sie ihre Stimme am Jazz geschult hat. Bei „Goldfinger“ muss sie den letzten Ton bis zum Ende des Abspanns halten – beeindruckende Vokalakrobatik.

Bassey war zwei Mal verheiratet und zwei Mal nach kurzer Zeit wieder geschieden. Als ihr zweiter Ehemann, ein italienischer Hotelmanager, sie aufforderte, Pasta zu kochen, entgegnete sie: „Baby, ich singe für mein Abendessen, ich muss es verdammt noch mal nicht auch noch kochen.“ Eine von Basseys schönsten Balladen heißt „Life Goes On“. Mit strahlender Stimme singt sie vom Glück und der Traurigkeit, von der Liebe und ihrem Verschwinden. „Life goes on / And we pass through / Days of sunlight days of tears.“ Das Grausame am Leben ist, dass es einfach so vergeht.

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