Kultur : Shoa-Mahnmal: Ein unlesbares Buch

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"Heute ist ein wichtiger Tag in meinem Leben", sagt Simon Wiesenthal auf dem Judenplatz im Zentrum von Wien. Seit 55 Jahren, so der 90-jährige Gründer des Jüdischen Dokumentationszentrums, habe er sich für das Nichtvergessen der Verbrechen des Nationalsozialismus eingesetzt. Er spräche auch im Namen Tausender Ermordeter. 65 000 überwiegend Wiener Juden fielen dem NS-Regime zum Opfer. Zur Enthüllung des von der britischen Künstlerin Rachel Whiteread entworfenen Mahnmals sagte Wiesenthal, man habe der Skulptur vorgeworfen, sie sei "nicht schön". Sie dürfe aber nicht schön sein: Ein Mahnmal wie dieses "muss weh tun". Der Wiener Oberbürgermeister Michael Häupl äußerte sich gegenüber dem Tagesspiegel zufrieden darüber, dass das Mahnmal nach fünf Jahren Debatte endlich enthüllt werden konnte. Einen "Wettlauf" mit Berlins Holocaust-Mahnmal gebe es jedoch nicht. Bürgermeister Eberhard Diepgen werde sich in den kommenden Wochen das Wiener Mahnmal ansehen.

In Wien wurde gleichzeitig das Jüdische Museum eröffnet. An der Stelle, an der im Mittelalter eine Synagoge stand, soll, so der Bürgermeister, daran erinnert werden, dass der Nationalsozialismus kein plötzliches Phänomen gewesen sei, sondern eine lange Vorgeschichte der Pogrome und Ausgrenzungen hat. Still wurde es auf dem Judenplatz, als Simon Wiesenthal mahnte: "Der Nationalsozialismus lebt noch. Täglich bringen die Medien Berichte über Schändungen von Gräbern auf jüdischen Friedhöfen und Anschlägen auf Synagogen."

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