Kultur : Shoppen & fliegen

Rüdiger Schaper

Einchecken. Umsteigen. Warten. Mehr Zeit als in der Luft verbringt man am Boden, selbst bei Mittelstreckenflügen. Man fliegt ja nicht, man sitzt beim Fliegen. Angeschnallt, eingezwängt, mit starrem Blick aufs Plastikessen. (Stimmt es wirklich, dass Alkohol in the air schneller anschlägt?) Auslauf bieten auf den Flughäfen allein die Ladenzeilen. Temptation takes no vacation, ein schöner Spruch eines weitgereisten Freunds. Flughäfen gleichen inzwischen Einkaufszentren mit integriertem Flugbetrieb, nicht umgekehrt.

Israel zum Beispiel. Ben Gurion Airport, Tel Aviv. Was für ein großartig-großzügiger, lichter, einladender Komplex! Im Zentrum des expandierenden Flughafens die kreisrunde Shopping Mall („Buy & Bye“), wo man gute, teure Weine aus Galiläa und den Golan-Höhen kaufen kann, aber auch Schmuck, Fernsehgeräte und Computer. JFK in New York und Charles de Gaulle Paris sind dagegen nervtötende Rappelkisten. Auch sind die Beamten hier bei aller gebotenen Strenge so höflich, den Eintrittsstempel auf ein Extrablatt zu drücken, falls gewünscht. Mit israelischer Stempelfarbe im Pass reist es sich schlecht oder gar nicht in die arabische Welt.

Auch der neue Rafic Hariri International Airport Beirut, benannt nach dem im Frühjahr 2005 ermordeten libanesischen Spitzenpolitiker und Unternehmer, war gebaut und gedacht als Tor zur Welt, wie es so schön heißt, Symbol eines Landes im Wiederaufbau, in der Hoffnung auf viele Millionen Fluggäste. Die Designerläden hoch oben angesiedelt, vor allem für die saudi-arabische Kundschaft. Souvenirstände mit phönizischem Nippes; und endlose Regale mit arabischer Musik. Konsum und Luxus als Zeichen der Hoffnung, weil das ja alles nur funktioniert, wenn Menschen kommen und kaufen, Menschen von überallher.

Damit ist es jetzt aus. Hariri International Airport ist nur noch ein Ziel für Kampfflugzeuge. Von Beirut könnte man bequem mit dem Auto nach Tel Aviv fahren. Oder mit dem Schiff, theoretisch. Der Nahe Osten ist sich selbst ferner denn je.

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