Kultur : SHORT CUTS

Jan Schulz–Ojala

PANORAMA

Der Mux im Hühnerstall:

„Bye Bye Berlusconi!“

Was bisher geschah: „Muxmäuschenstill“ (2004), der Geniestreich. Ein trickreicher Film über den Fascho-Blockwart in uns, gemacht mit fast nix, und dann 300 000 Zuschauer und Preise noch und noch. Jan Henrik Stahlberg: die Entdeckung. Sein drahtiger Mux, ein Hauptdarsteller zum Totlachen und zum Fürchten zugleich. Und das Drehbuch zu Marcus Mittermeiers Film hatte er auch noch gleich geschrieben.

Bei „Bye Bye Berlusconi!“ nun führt er selber Regie – und spielt darin noch dazu den Regisseur eines Teams, das eine Satire über Berlusconi dreht. Und nichts geht mehr. Die Geschichte: schleppend. Die Witze: fad. Die Satire: zahnlos. Nur das Casting ist in einem Fall genial. Maurizio Antonini sieht aus wie Berlusconi. Er ist Micky Laus in Hühnerhausen und wird entführt von der Hundekackerbande, die ihm den verdienten Prozess machen will – inklusive Urteilsfindung per Internet.

Nur bei Pannen und Dramen am Set erhebt sich mitunter leicht spannungsfördernd die Frage: Alles Zufall, oder ist der echte Schurke Berlusconi hinter dem Team her? Doch bald sackt alles wieder in sich zusammen, zwischen Polit- und Mediensatire auf lauem Schülerzeitungsniveau. Das Schlimmste noch: die Spaghettifolter. Der Gefangene sitzt im Hühnerstall, und eine Peinigerin kippt vor seinen Augen den Nudeltopf in den Dreck. Sowas dürfte selbst echten Veteraninnen der Roten Brigaden Tränen in die Augen treiben.

Heute 21.30 Uhr (Zoo-Palast), 11.2. 13.30 Uhr (Cinemaxx 7), 15.2. 14.30 Uhr (International)

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FORUM

Kaffeetrinken auf Patrouille:

„Karov la bayit / Close to Home“

Dass in der israelischen Armee auch Frauen dienen, war für Nicht-Israelis vor zwei Jahrzehnten noch ein exotisch aufregendes Phänomen. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern Soldatinnen. Doch die in Israel geltende Wehrpflicht für Frauen ist immer noch eine Ausnahme. Emanzipatorisch genützt hat sie den Frauen selbst in der militaristischen israelischen Gesellschaft wenig. Auch die öffentliche Wahrnehmung des Militärs ist nach Ansicht der beiden israelischen Filmemacherinnen Dalia Hager und Vidi Bilu männlich bestimmt. Höchste Zeit also, meinen die beiden, auch einmal die andere Seite zu erzählen. Ihr Spielfilm „Karov la bayit“ (Close to Home) schildert den Alltag israelischer Rekrutinnen, die in einem Frauencorps der Grenzpolizei in der besetzten Altstadt Jerusalems Wache schieben. Kamera und Schnitt suggerieren nach Reportageart Nähe zum Geschehen. Konventionell dagegen die Konstruktion um zwei konträre Typen und ihre komplizierte Annäherung: Während die eine die Patrouille gerne mal zum Kaffeetrinken nutzt, sorgt sich die andere pflichteifrigst darum, möglichst viele kontrollierte Araber in die Liste einzutragen. Denn das ist der offensichtliche Sinn des Dienstes. Und Araber am Aussehen zu erkennen, gehört zu den erwarteten Grundkenntnissen israelischer Sozialisation. Sonst geht es im weiblichen Teil von Tzahal doch eher zu wie in einem Mädchenpensionat, Märchenprinzenträume eingeschlossen Das mag der Realität entsprechen, kommt im Film aber nicht unbedingt überzeugend rüber. So bleiben die eigentlich interessanten Fragen offen. Und „Close to Home“ ein gut gemeinter Film zweier fortschrittlicher israelischer Frauen für ein Publikum, das sich auskennt. Den anderen macht er Lust, mehr über die Frauen in Tzahal zu erfahren. Silvia Hallensleben

Heute 19 Uhr (Delphi) , 11. 2., 12.30 Uhr (Arsenal), 11. 2. 20 Uhr (Colosseum), 13. 2. 13.30 Uhr (CineStar 8)

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KINDERFILM

Freunde müsst ihr sein:

„Opal Dream“

Über eine Tochter wie Kellyanne würde sich jeder freuen: die Kleine (Sapphire Boyce) ist süß, schüchtern, aufgeweckt. Und sie hat viel Fantasie, zu viel sogar: lebt mit zwei imaginären Freunden zusammen, mit denen sie in einem alten Wohnwagen Kaffee trinkt. Ja, sie spielt dieses Spiel so überzeugend, dass irgendwann alle mitspielen: die Verkäuferin schenkt Pobby und Dingan jedesmal einen Lolly, und bei jedem Essen stehen Teller für die beiden auf dem Tisch. Nur die Familie ist irgendwann so genervt, dass sie einen Ausflug für Pobby und Dingan erfindet – einen Ausflug, von dem die Fantasiefreunde nie wiederkehren.

Nein, „Opal Dream“, der Eröffnungsfilm des Kinderfilmfests, ist kein Märchenfilm. Kellyanne ist „special“, wie die Klassenlehrerin es formuliert, und ihre Freunde sind kein Spiel, sondern für sie Realität. Regisseur Peter Cattaneo, bekannt geworden durch seinen britischen Stripper-Film „The Full Monty“, dreht in der australischen Wüste eine eindringliche Familientragödie, gesehen aus Kinderaugen. Denn unter den Schatzsuchern, die in den örtlichen Opalminen den großen Reichtum wittern, entbrennt bald eine Hexenjagd gegen die Familie: der Vater wird des Diebstahls bezichtigt, die Mutter entlassen, Kellyanne selbst erkrankt aus Kummer. Und es ist der ältere Bruder, der es in die Hand nimmt, alles zum Guten zu wenden: verteilt Steckbriefe für Pobby und Dingan und inszeniert schließlich, als nichts anderes mehr hilft, ein Begräbnis für die Freunde seiner Schwester. Es wird ein Fest der Solidarität. Christina Tilmann

Heute 15.30 Uhr (Zoo-Palast, Eröffnung mit Armin Rohde), 11. 2., 16 Uhr (Cinemaxx 4), 12. 2., 16 Uhr (Filmtheater am Friedrichshain)

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