Kultur : Shuffle, Baby!

Golf in Luzern: Boris Becker und Anne-Sophie Mutter

Georg Rudiger

Noch ein Strich durchs frisch blondierte respektive nussbraune Haar, ein strahlendes Lächeln für die Kameras – dann kann das Mediengespräch mit Boris Becker und Anne-Sophie Mutter im mondänen Palace Hotel Luzern beginnen. Die beiden deutschen Ex-Wunderkinder hatten bisher wenig miteinander zu tun. Der eine spielt Tennis und gewann mit 17 Jahren Wimbledon, die andere spielt Geige und debütierte als 13-Jährige bei den Internationalen Festwochen Luzern; jener lässt die ganze Welt an seinem schillernden Promileben teilhaben und hat längst eine Autobiografie verfasst, diese schirmt ihr Privatleben von der Öffentlichkeit weitgehend ab. Wenn ein Foto von Anne-Sophie Mutter dann doch einmal wie Anfang der Woche auf der Titelseite der Bild-Zeitung zu finden ist, muss etwas ganz Besonderes passiert sein, in diesem Fall die Scheidung von Ehemann André Previn.

Mutter und Becker gemeinsam ist, dass sie ihre Prominenz für einen guten Zweck einsetzen. Der „Freundeskreis Anne-Sophie Mutter Stiftung“ fördert junge, hochbegabte Streicher auf der ganzen Welt, während die seit zwei Jahre bestehende „Cleven-Becker-Stiftung“ sich in den Bereichen Bildung und Sport engagiert. Das jüngste Projekt „fit-4-future“ kämpft mit Fußbällen und Tennisschlägern gegen Bewegungsarmut und Fettleibigkeit an Schulen, damit der Geist auch in einem gesunden Körper wohnen kann.

Michael Häfliger, rühriger Intendant des Lucerne Festivals, hatte nun die Idee, die Bereiche Sport und Musik beim Festival zusammenzuführen und ein Charity Golf Turnier auszurichten. Abends also Violinsonaten mit Anne-Sophie Mutter im Konzertsaal, morgens Abschläge mit Boris Becker auf dem Golfplatz. Das Konzept ging auf, die Schnittmenge zwischen Klassikliebhabern und Golfspielern war groß genug: 80 000 Franken kamen zusammen.

Doch auch sonst scheinen die Bande zwischen Sport und Musik enger knüpfbar als bisher gedacht. Entweder, sollte man denken, die Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen oder der erste Preis bei „Jugend musiziert“ – beides zusammen kommt nur in Ausnahmefällen vor. Nicht so in Luzern. Michael Häfliger freute sich als Kind nach fünf Stunden Geigeüben schon aufs Kicken, Anne-Sophie Mutter ist begeisterte Sportlerin (Tennis, Bergsteigen, Basketballspielen mit dem Sohn), und Boris Becker betätigte auch schon mal das Schlagzeug bei Peter Maffay. Becker kennt außerdem keinen Sportler, der nicht auch über Rhythmusgefühl verfügt, Mutter keinen Musiker, der nicht auf körperliche Fitness achten würde. Von Luciano Pavarotti ist leider nicht die Rede.

Die Geigerin und der Tennisstar spielen sich die Bälle hin und her, dass man nur noch staunen kann. Der Mut zum Auftritt, Konzentration aufbringen, eine Vision entwickeln, sein Instrument beherrschen – zwischen Tennis und Geigespielen gibt es anscheinend gar keinen Unterschied? Eine wichtige Sache fehle noch in der Musikerausbildung, meint Anne-Sophie Mutter: das mentale Training. Auch hier könne der Sport ein gutes Vorbild für die Musik abgeben. Bei soviel Annäherung wird am Ende auch Moderator Karl Bühlmann beinahe schwindlig. Seine letzte Frage richtet er an „Frau Becker“.

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