Kultur : Sie ist wieder da - als Buch

Hellmuth Karasek: Mit Kanonen auf Spatzen. Geschic

Um Hellmuth Karaseks Humor im Schnellkurs kennenzulernen, braucht man nur das Inhaltverzeichnis seines Glossenbuches zu lesen. Überschriften wie "Auf allen Viren", "Den Dativ zuliebe", "Blonder Traum" und "Trauring aber wahr" lassen den kaleidoskopischen Charakter seiner Interessen, seiner Neigungen und Analysen ahnen. Aber nur ahnen!

Jeden Montag erschienen sie im Tagesspiegel, die Glossen, mal amüsiert, mal genervt, geschliffen, provokant, analytisch, assoziativ, glasklar oder schmutzig, komisch oder nachdenklich - und nie bösartig. Der Tagesspiegel-Herausgeber und Quartett-Kämpfer, Reisende und Lesende und Schreibende ist ein Großstadtmensch und inzwischen ein Ehrenberliner, obwohl er noch heimlich nach Hamburg pendelt. Er ist ein Bücherfresser und Gourmet, einer, der im Zweifelsfall die heitere Seite der Sache sieht, einer, der vergessen und verzeihen kann. So isser, sagten sich die Redakteure, die jeden Sonntag auf die handschriftlichen, gefaxten Blätter warteten, die aus Salzburg oder München, New York oder Harvestehude eintreffen sollten. So isser, aber wo bleibt sein Text?

Sollen wir ihn anrufen? Schon wieder drängeln? Was wird er wohl schreiben? Vielleicht denkt er, heute ist Samstag. Die Glosse kam immer, und sie wurde immer diskutiert. Frauenfeindlich! Absolut lustig! Spinnt der? Das geht zu weit! Tiefpunkt! Höhepunkt! Neinnein! Jaja!

Wir Redakteure konnten sagen, was wir wollten, die Leser liebten die Montagsglosse, gerade dann, wenn sie sich darüber aufregten. Als der geplagte Autor sich eine Glossenpause erbat, schwitzte der Chefredakteur, dem der Protestchor der Leser noch in den Ohren klingt. Schöne Bescherung, die Montagsglosse fehlt! Wo bleibt sie? Er hat sich erbarmt und alle Glossen nochmal gesammelt. Er hat sie einem Verlag gegeben, und jetzt können die Fans sie in geballter Ladung lesen. Die Montagsglosse ist wieder da. Als Buch.Hellmuth Karasek: Mit Kanonen auf Spatzen. Geschichten zum Beginn der Woche. KiWi. Köln, 2000. 271 Seiten, 18,90 Mark.

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