Kultur : Sieg nach Punkten

Ein

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von Christina Tilmann

Entmachtet und gleichzeitig gestärkt? Ob die Neuregelung des Vergabeverfahrens beim Hauptstadtkulturfonds für die FachJury wirklich eine Stärkung bedeutet, wird man sehen. Die erste Feuerprobe jedoch kommt wie bestellt: Die Jury hatte in internen Beratungen ein Ausstellungsvorhaben zur Geschichte des Palasts der Republik abgelehnt. Der Bund, durch Knut Nevermann im Gemeinsamen Ausschuss vertreten, hätte dieses Projekt, das immerhin von einer Bundesinstitution, dem Deutschen Historischen Museum, betreut worden wäre, gern gesehen. Allein: „Wir müssen die Juryentscheidung achten. Für den Bund ist das Projekt damit vom Tisch“, so Nevermann bei der Pressekonferenz zur Projektförderung. Punkt für die Entscheidungsfreiheit der Jury.

Die Jury selbst sieht das offenbar anders. Kuratorin Adrienne Goehler wettert gegen Indiskretionen, betont, dass das Verfahren – das letzte Wort hat der ausschließlich mit Vertretern der Politik besetzte Gemeinsame Ausschuss – noch nicht abgeschlossen sei. Über die Projekte für den Palast der Republik werde erst im Januar beraten, nach Klärung der weiteren Nutzungsbedingungen. Ist die Juryentscheidung also nur eine interne Vorlage, und das Spiel entscheidet sowieso die Politik?

Bis jetzt steht es also unentschieden. Doch hat die Politik in Zukunft ein Instrument, eigene Projekte durchzusetzen. 10,2 Millionen Euro stehen dem Hauptstadtkulturfonds jährlich zur Verfügung, für 2005 gemindert um 360000 Euro pauschale Minderausgaben. Eine weitere Million aus dem Fonds-Topf soll nun dem Ausschuss zur direkten Verteilung zustehen, ohne Rücksprache mit der Jury, für „Projekte, die aus kulturpolitischer Sicht als besonders wichtig für Berlin“ eingeschätzt werden. Matchball für die Politik.

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