Kultur : Sieh das Licht

Willie Nelson & Family im Tempodrom

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Foto: AFP
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Enthusiastische „Willie, Willie“-Rufe im voll besetzten Tempodrom, als der 77-jährige Willie Nelson lässig in schwarzen Jeans, Hemd, Cowboyhut, unter dem die langen weißen Haare hervorquellen, auf die Bühne schreitet, an deren Rückwand eine Fahne des Staates Texas hängt. In Texas ist er aufgewachsen, und nach Texas ist er zurückgegangen, nachdem er Nashville, Tennessee, den Rücken gekehrt hatte, sowie der Plattenfirma RCA, die ihm den sterilen Nashville-Country- Sound aufdrängen wollte. „Whiskey River“, der erste Song des Abends, stammt vom Album „Shotgun Willie“, dem ersten, das er mit größerer künstlerischer Freiheit aufgenommen hat und das seinen Ruf als „Country-Outlaw“ begründete.

Schon damals begleiteten ihn seine ältere Schwester Bobbie am Piano, der Bassist Dan Spears und der Drummer Paul English, die noch heute zur „Family“- Band, gehören. Bobbie tinkelt flinke Honky-Tonk-Figuren, und Nelsons alter Freund Paul bedient nur eine Snare, sehr gekonnt, ohne alles, während dessen Bruder Billy diverse Percussioninstrumente klopft. Mickey Raphael bläst eine Mundharmonika, die kreischt, heult, weint und gelegentlich wie ein Tex-Mex-Akkordeon klingt.

Die Gitarrenparts zaubert Nelson mühelos improvisiert auf seiner geschundenen 1969er Martin N-20 Nylonsaiten-Akustikgitarre „Trigger“. Sehr vielseitig, von mexikanischen Akkordfolgen über vertrackte Jazz-Skalen bis zum bodenständigen Blues. Eine festgelegte Setliste gibt es nicht, Nelson singt und spielt, was ihm gerade Spaß macht, und schöpft aus einem enormen Fundus. „Funny How Time Slips Away“ geht nahtlos über in „Crazy“, das er einst für Patsy Cline geschrieben hat, ein großer Hit 1961.

„Nightlife ain’t no good life, but it’s my life“, singt Nelson mit seinem unverwechselbaren näselnden Bariton und spielt ein berauschendes Blues-Solo. Texas-Swing und Soul, „Georgia On My Mind“ von Ray Charles. Beseelt interpretiert er den alten Elvis-Hit „You Were Always On My Mind“ und ehrt den großen Hank Williams mit rasanten Versionen von „Jambalaya“, „Hey Good Looking“ und „Movin’ On Over“. Die Band folgt ihm traumwandlerisch, wohin auch immer es ihn zieht. Alles wird immer besser, bewegender, mitreißender. Nach 34 berauschenden Songs, „The Party’s Over“ und „I Saw The Light“ stehende Ovationen und tosender Jubel für einen ganz großen Musiker, der glänzte und verzauberte mit Aufrichtigkeit und tiefer Seele. H.P. Daniels

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