Sigmar Gabriel zur Förderung der Barenboim-Said Akademie : Vom Unmöglichen

Die Barenboim-Said Akademie steht für das, was uns in der auswärtigen Kulturpolitik wichtig ist: gemeinsame kulturelle Arbeit.

Sigmar Gabriel
Außenminister Sigmar Gabriel.
Außenminister Sigmar Gabriel.Foto: AFP

Wer auf den Nahen Osten schaut, wird nur wenig Anlass zur Hoffnung finden. Seit nunmehr über sieben Jahren hält der Flächenbrand in Syrien an, Israel ist teils von Staaten umgeben, die mit dem Land im Kriegszustand stehen, der Nahost-Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern tritt seit viel zu langer Zeit auf der Stelle.

Gegen den Hass und die Unversöhnlichkeit einzutreten und Menschen über die Musik einander anzunähern, das hat sich Daniel Barenboim zu einer Lebensaufgabe gemacht. „Das Unmögliche ist viel einfacher als das Schwierige“. Dieser Satz von Daniel Barenboim, als er 2005 mit dem West Eastern Divan Orchestra in Ramallah Station machte, ist mir prägend in Erinnerung geblieben. Er steht exemplarisch für Daniel Barenboims Mut und seine Vision, jungen Menschen über die Musik eine Alternative zu Hass und Antagonismus aufzuzeigen.

Dank der Hilfe des Bundestages ist es gelungen, vor einem Jahr die Barenboim-Said Akademie im Herzen Berlins ins Leben zu rufen. Dieser Ort sucht seinesgleichen in der Welt. Daniel Barenboim gibt jungen arabischen und israelischen Studenten an einem geschützten Ort fernab der Krisenherde die Möglichkeit, gemeinsam zu musizieren, zu lernen, zu arbeiten – und sich so den Perspektiven des jeweils anderen zu öffnen.

Kulturelle Arbeit bereitet den Boden, auf dem politische Verständigung möglich ist

Damit steht die Barenboim-Said Akademie auf ihre Weise für das, was uns auch in der auswärtigen Kulturpolitik wichtig ist: gemeinsame kulturelle Arbeit, und durch das gemeinsame Schaffen von Kultur am Aufbau einer lebendigen Zivilgesellschaft mitzuwirken.

Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik ist seit Willy Brandts Zeiten unverzichtbarer Teil unserer Bemühungen um Frieden und Stabilität. Kulturelle Arbeit bereitet im vorpolitischen Raum den Boden, auf dem politische Verständigung erst möglich ist. Diese kulturelle Arbeit brauchen wir in konfliktbeladenen Zeiten wie diesen mehr denn je. Auch deshalb unterstützen wir die Barenboim-Said Akademie durch die Finanzierung von Stipendien.

Der vor einem Jahr verstorbene große Staatsmann Shimon Peres stand dafür, Konfrontation und Feindseligkeit zu überwinden, damit Israel einmal in Freundschaft mit einem Staat Palästina leben kann – auch aus der Überzeugung, dass Frieden „nicht unbedingt aus Liebe, sondern aus Notwendigkeit“ entsteht. Für Frieden im Nahen Osten zu arbeiten, ist und bleibt für uns auch vor dem Hintergrund unserer eigenen Geschichte zentraler außenpolitischer Auftrag.

Der Autor ist Geschäftsführender Außenminister der Bundesrepublik Deutschland

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