Kultur : Signale und Wirkung

Christina Tilmann

Zuletzt ist er von der öffentlichen Meinung nicht unbedingt gut behandelt worden: In eine Farbfeld-Wand, die Georg Karl Pfahler für die VIP-Lounge des Münchner Olympiastadions geschaffen hatte, ließen die Veranstalter nachträglich eine Nische schlagen, um einen Fernseher unterzubringen. Abstrakte Bildelemente, die er für die Mensa der TU Berlin entworfen hatte, landeten nach einer Kantinenrenovierung auf dem Müll. Und die Ausgestaltung des Ältestensaals im Reichstag, letzter ehrenvoller Großauftrag, wurde ob der leuchtend bunten Tafeln, aus denen Farbkarrees fallen, die sich über königsblaue Wandpaneele legen, gelegentlich als "Kindergarten" oder "Krabbelkiste" bezeichnet.

Die poppig-bunten Farben und die blockhaften Flächen waren so etwas wie das Markenzeichen Pfahlers, der als bedeutender Vertreter einer geometrischen Abstraktion gilt. Seine große Zeit hatte der 1926 im mittelfränkischen Emetzheim geborene Maler und Objektkünstler in den 60er und 70er Jahren. Er studierte an der Stuttgarter Kunstakademie und bewunderte den späten Willi Baumeister. 1955 begründete er die "Gruppe 11" mit, die jedoch vier Jahre später wieder auseinander brach. 1965 stellte er auf der "Signale"-Ausstellung in Basel seine "Formative" vor, 1967 war er bei der Ausstellung "Form und Farbe" neben den Amerikanern viel beachteter deutscher Vertreter. Später konzipierte er sogenannte "Palaverhäuser", kleine, begehbare Pavillons. 1970 war er auf der Biennale in Venedig mit begehbaren Labyrinthen aus dreieinhalb Meter hohen Wänden vertreten.

Bis ins hohe Alter malte der 1996 mit dem Münchener Akademiepreis ausgezeichnete Pfahler weiter. 2001 war in Chemnitz eine Ausstellung mit jüngsten Großformaten zu sehen, noch bis 20. Januar zeigt das Wuppertaler van-der-Heydt-Museum rund 30 Bilder von 1959 bis 2000, die zum 75. Geburtstag des Künstlers zusammengestellt wurden. Am vergangenen Sonnabend ist Pfahler nach schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren in seiner Heimatstadt verstorben.

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