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Silvesterkonzerte : Über Sternen, unter Sternen

02.01.2013 00:00 Uhrvon und
Allez hopp. Dirigent Giancarlo GuerreroBild vergrößern
Allez hopp. Dirigent Giancarlo Guerrero - Foto: MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

Beethovens Neunte unter Janowski und Barenboim - und das DSO mit dem Circus Roncalli.

Heftig applaudierend feiert das Rundfunk-Sinfonieorchester seinen Chefdirigenten, eine Demonstration der Zuneigung für Marek Janowski. Dass die Musiker ihm das Amt „auf Lebenszeit“ angetragen haben, vereint sie mit der Staatskapelle, die ihren Daniel Barenboim gleichfalls so lange wie möglich behalten möchte. Beide Dirigenten binden sich an die Tradition, zum Jahreswechsel die Neunte von Beethoven zu spielen. Und wir spüren als Zuhörer, dass es gut ist. „Über Sternen muss er wohnen“ – keine Sehnsucht, keine Hoffnung ist stärker.

Die Sehnsucht der Menschen aber nach diesem Silvesterstück bedeutet Vertrauen in die Musik, weil sie offenbar Geister vertreiben und Träume erfüllen kann.

Ihre Utopie steht mit der des „Fidelio“ in Verbindung, der gespielt wird, wo auf real existierende Unfreiheit zu reagieren ist. Beethoven hält die Spitze unter den Lieblingskomponisten des Klassikpublikums. Immer wieder die Neunte, Gegenüberstellung von Tragik und ewiger Freude, sie ist ohne ein Moment äußerster Anstrengung nicht realisierbar, seit am Anfang der Rezeptionsgeschichte der taube Komponist 1824 in Wien die Uraufführung selbst „dirigiert“ und zugleich in ihrer Sonderstellung autorisiert hat.

„So ist sie doch ein schlechtes Gedicht“, stellt Schiller später über seine „Freude“ fest. Es ist ein in feucht-fröhlicher Runde entworfenes Gelegenheitsstück, während die Sinfonie, die daraus geworden ist, von Richard Wagner „das menschliche Evangelium der Kunst der Zukunft“ genannt wird. Wer die Neunte liebt, muss mit viel Zwiespalt rechnen, auch was manch seltsame stilistische Un- bekümmertheit der Partitur betrifft.

Im Konzerthaus dominieren beim RSB ruhig liegend die leeren Quinten des Beginns, nichts wird heraufbeschworen aus mystischem Dämmern, sondern in richtigen Tempi flexibel musiziert. Wie die Musik atmet im Scherzo, gewinnt sie im Dur-Trio etwas Drängendes. Feinzeichnend die unendliche Melodie der beiden Themen im langsamen Satz, steuert Janowski mit wuchtigem Rezitativ seiner ausgezeichneten tiefen Streicher ins Finale, darin das Solistenquartett aus Ricarda Merbeth, Anke Vondung, Michael König und Johan Reuter mit dem höhenglänzenden Rundfunkchor Berlin.

Hegt Janowski besonders den organischen Fluss der Musik, so sucht Barenboim mehr denn je nach dem, was zwischen den Noten steht. Wenn er sich in sein Ideal von großem Adagio versenkt, scheint die Welt stillzustehen.

Barenboim will das Außerordentliche, schlechthin Überbietende, und er findet Momente des Unerhörten. Dann führt er die Staatskapelle, dieses Wunderinstrument, in philosophisch sogenannte Hintergrundschichten der Musik. Und steht selbst horchend mit Staunen. Die Interpretation, wie sie diesmal im Schiller-Theater gefeiert wird, scheut kein Pathos. Es gibt diese Beschwörungen des Instrumentalkolorits im Pianissimo des Beginns, mehr noch beim Hauch des Freudenthemas mit betonten Binnencrescendi, dabei Kontraste, die dem Theatralischen zuneigen. Das gilt naturgemäß auch für den Staatsopernchor, der agierend auf der Bühne zu Hause ist, anders als der Rundfunkchor. Bei Barenboims Orchester kommen dazu kammermusikalische Schönheiten, in denen das Fagott dominiert. In seinem Solistenquartett (mit Anna Samuil, Anna Lapkovskaja und Johan Botha) bezaubert die Wortgestaltung René Papes.

„Alle Menschen werden Brüder“: Hat das Publikum die Neunte mit der Gloriole des Einmaligen geschmückt, so zeigen die beiden Aufführungen deren Interpretationsbreite. Sybill Mahlke

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