Kultur : Silvio Francesco ist tot: Ein Artist als Reisebegleiter

Christian Schröder

"Mama stellte bei ihren Auftritten zuerst ihre vier Kinder vor, und dann gaben wir alle eine Solonummer zum besten. Nina tanzte einen Chopin-Walzer, Pietro einen Militärtanz, Silvio spielte ein Saxophon-Solo, und ich tanzte einen Steptanz. Zum Schluss durften wir alle vier wieder auf die Bühne und sangen und tanzten mit Mama." Die Zeit: irgendwann in den späten dreißiger Jahren. Der Ort: irgendwo in einer Metropole des damaligen Deutschen Reichs. In den Worten, in denen sich Caterina Valente an ihre ersten Auftritte erinnert, schwingt noch die kindliche Begeisterung von ehedem mit. "Wir Zirkuskinder", schreibt sie in ihren Erinnerungen, "hatten den besten Anschauungsunterricht, den man sich denken kann. Von klein auf sahen wir den Artisten bei der Arbeit zu und merkten uns ihre Bewegungen, Handgriffe, Tricks. Sobald wir fest auf den Beinen stehen konnten, machten wir ihnen alles nach."

In den Zirkuszelten und Varietépalästen, in denen die Valentes damals auftraten, begannen anderthalb Weltkarrieren. Caterina Valente eroberte mit ihren Liedern in den fünfziger Jahren die Herzen der Deutschen, Italiener, Franzosen und mit "Malaguena" dann sogar die der Amerikaner. Ihr drei Jahre älterer Bruder Silvio Francesco wurde in Deutschland zunächst als ihr Begleiter, später auch mit eigenen Schlagern ein Star. Das Talent hatten beide geerbt: Vater Giuseppe - ein Spanier - war ein Akkordeon-Virtuose, Mutter Maria - Italienerin - galt als eine der weltbesten weiblichen Musical-Clowns.

"Sag mir Quando, Quando, Quando", sangen Silvio & Caterina in einem ihrer größten Hits. Die Antwort: hier und jetzt. Die singenden, steppenden, tanzenden Geschwister wurden zu einem Traumpaar des Wirtschaftwunderlandes. Ihre Lieder hießen "Madison in Mexiko", "Club Italia" oder "Goodbye Hawaii". Die große weite Welt, von der sie sangen, hörte sich verlockend an. Die Shows der frühen Fernsehtage: undenkbar ohne diese musikalischen Reisebegleiter. In den letzten Jahren hatte sich Silvio Francesco in sein Haus am Luganer See zurückgezogen und trat nur noch gelegentlich mit kleinen Rollen in Fernsehserien auf. Am Sonntag ist er, wie jetzt bekannt wurde, in Lugano an Krebs gestorben. Er wurde 73 Jahre alt.

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