• Simbabwe: Der Kumpel von der Basis: Warum Tsvangirai die Hoffnung vieler Simbabwer verkörpert

Kultur : Simbabwe: Der Kumpel von der Basis: Warum Tsvangirai die Hoffnung vieler Simbabwer verkörpert

Wolfgang Drechsler

Auf einem Kontinent, in dem Oppositionsführer nicht selten rote Kopfbänder tragen und stolz ihr Maschinengewehr recken, passt der Mann, der Simbabwes Präsident Robert Mugabe ablösen will, nicht recht ins Bild: Mit dem weiß gestärkten Hemd und der Stoffhose wirkt Morgan Tsvangirai reichlich bieder. Doch wenn der bullige Ex-Gewerkschafter und Minenarbeiter am Mikrofon in Fahrt gerät, wird schnell deutlich, weshalb viele Simbabwer solch große Hoffnung in ihn setzen. Allen Todesdrohungen zum Trotz hat der Führer der "Movement for democratic change" (MDC) den Machthabern in Harare mutig Paroli geboten und verkörpert heute wie kein anderer den Wunsch der Simbabwer nach radikalem Wandel.

Wenn die Wahlen in an diesem Wochenende frei und fair wären, würde Tsvangirai den seit zwei Jahrzehnten an seinem Thron klebenden Mugabe vermutlich klar schlagen. Dass Mugabe aber gerade in der Not vor keinem Mittel zurückschreckt, hat Tsvangirai bereits am eigenen Leibe erfahren: Als der ehemalige Gewerkschaftsboss vor drei Jahren abends in seinem Büro im Zentrum von Harare arbeitete, drangen vermutlich Agenten der Regierung in das Gebäude ein und schlugen ihn bewusstlos. Beim Versuch, ihn aus dem zehnten Stock zu werfen, wurden sie jedoch gestört. Ihn selbst hat das nur entschlossener gemacht. Tsvangirai sieht in dem bekennenden Sozialisten Mugabe jedenfalls ein politisches Fossil. "Die Menschen in Simbabwe", sagt der Oppositionschef, der heute 50 Jahre alt wird, "haben die Wahl zwischen der verkrusteten alten Ordnung und Schwarzafrikas erstem modernen Staat."

In der Tat ist es Tsvangirai gelungen, was viele Beobachter für fast unmöglich hielten. Sie haben das Stammesdenken aufgebrochen, dass Mugabe zum Zweck des eigenen Machterhalts instrumentalisiert hat. Deutlich wird dies in Bulawayo, der Heimat des Minderheitenstammes der Ndebele. Obwohl Tsvangirai wie Mugabe zur Volksgruppe der Shona gehört, wird der Oppositionsführer im Matabeleland überall begeistert empfangen.

Als selbst erklärter Anhänger einer Versöhnungspolitik lehnt es Tsvangirai auch entschieden ab, politische Punkte auf Kosten von Minderheiten zu sammeln. "Ich werde keine neue Form des Rassismus dulden", sagt er und spielt damit auf die Wahlkampftaktik Mugabes an, die Weißen und den Westen zu Sündenböcken für die selbst verschuldete Misere zu machen. Zwar will auch die Opposition die ungleichen Besitzverhältnisse korrigieren, doch soll dies im Rahmen des Gesetzes und graduell geschehen. Zu den Prioritäten gehört eine neue Verfassung. "Denn die alte hat Mugabe in den letzten zwei Jahrzehnten ganz auf sich und den eigenen Machterhalt zugeschnitten", sagt er.

Anders als Mugabe betrachtet Tsvangirai die von 300 000 auf knapp 70 000 zusammengeschmolzene Gruppe der Weißen als integralen Bestandteil des Landes und hat keine Scheu, sich Rat bei ihnen zu holen. Diese Kooperationsbereitschaft hat dazu geführt, dass er in den staatlichen Medien als Strohmann der Weißen und "Onkel Tom" diffamiert wird.

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