Sinfoniekonzert des Orchesters der Komischen Oper : Lieblich ist der Lindenduft

Das Orchester der Komischen Oper unter Generalmusikdirektor Henrik Nánási spielt sinfonische Werke von Mozart und Schumann. Solistin ist Bernarda Fink.

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Der Maestro. Generalmusikdirektor Henrik Nánási leitet das Orchester der Komischen Oper.
Der Maestro. Generalmusikdirektor Henrik Nánási leitet das Orchester der Komischen Oper.Foto: Gunnar Geller

Die Aufführung großer Sinfonik bedeutet für das Orchester der Komischen Oper eine Ausnahmesituation, der sich die Musiker mit vollem Einsatz stellen. Dass man sich im Abseits des eigenen Repertoires bewegt, konfrontiert mit vielen selten gespielten Noten und mächtiger Berliner Konkurrenz, kann Ansporn sein.

Frisch und vital klingen die Ecksätze der g-Moll-Sinfonie KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart, die Generalmusikdirektor Henrik Nánási strukturbewusst dirigiert. Das ist später Mozart ohne „Crucifixus“-Schmerz bei der Chromatik des zweiten Themas im Allegro, eine mit Energie erfüllte Durchführung, die sich ihrer ferngelegenen Tonarten erfreut.

Schwieriger wird es mit dem berühmten Andante, weil der geheimnisvolle Satz eher pauschal, ohne besondere Ausdrucksnuancen vorübergleitet.

Robert Schumanns Vierte in d-Moll, traditionell viersätzig, aber ohne Unterbrechung als „Sinfonie in einem Satz“ aufzuführen, fordert den ungarischen Dirigenten als Interpreten der Übergänge heraus, zuerst von der langsamen Einleitung ins Allegro „Lebhaft“, die er mit Feuer nimmt. Allenfalls achtsam wird die Romanze der geteilten Streicher und der Soloinstrumente ausgebreitet, während das Orchester die langsame Überleitung zum D-Dur-Finale mit besonderer Spannung erfüllt. Nicht jeder Takt gelingt makellos. Aber Achtung! Obwohl manches Detail ein bisschen scheppert, hat die Aufführung Schwung bis zum Gipfelsturm der Presto-Stretta.

Das Renommee der Konzertsängerin Bernarda Fink wird an diesem Abend weniger vom Timbre ihres ins Tremolo gleitenden Mezzosoprans als von ihrer musikalischen Vorstellungskraft bestätigt. Die als Tochter slowenischer Eltern in Buenos Aires geborene Sängerin, die mit vielen internationalen Pultstars unter den Dirigenten (das Programmheft nennt deren siebzehn!) musiziert hat, vertritt stilistisch die Sicherheit reifer Erfahrung.

In Rezitativ und Arie „Ombra felice! ... Io ti lascio“, einer Klage, die Mozart einem Alt-Kastraten geschrieben hat, misst sie sich mutig mit Einspielungen von Teresa Berganza bis Jochen Kowalski. Und innig textbezogen singt sie Gustav Mahlers „Fünf Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert“.

„Ich atme leis’/Im Duft der Linde/Der Liebe linden Duft“: Das wird mit verantwortlicher Texttreue formuliert wie zuletzt das unvergleichliche Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“. Im gut besuchten Opernhaus wird mit Respekt und Andacht aufgenommen, wie die Sängerin sich „in meinem Himmel, in meinem Lied“ wahrnimmt.

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