SINFONIEKONZERTJörg Widmann und die Kammerakademie : Mythos des Ikarus

Antje Horn-Conrad

Die Zeitlosigkeit in der „Ikarischen Klage“, einem Gedicht von Charles Baudelaire, hat Jörg Widmann zu seiner gleichnamigen Komposition für Streicher inspiriert. Bei Baudelaire, meint er, „weiß man nicht so genau, in welcher Zeit sich die Handlung abspielt, ob es sich um einen Seelenzustand, eine Zukunftsvision handelt oder ob alles schon vorbei ist“. So sage der Mythos des Ikarus auch viel über die Rolle des Künstlers aus.

Seine Deutung der „Ikarischen Klage“ wird das Sinfoniekonzert der Kammerakademie Potsdam eröffnen. Darin ist Jörg Widmann nicht nur als Komponist präsent, sondern auch als Solist in Mozarts A-Dur-Klarinettenkonzert, in dem er seine ganze Interpretationskunst entfalten kann. Aus dem Klarinettenspiel heraus habe sich für ihn das Komponieren als logische Konsequenz entwickelt. Bereits mit elf Jahren begann er Improvisationen auf dem Instrument aufzuschreiben und nahm bald darauf seinen ersten Kompositionsunterricht. Heute, mit 34 Jahren, gehört er zu den wichtigen zeitgenössischen Komponisten und hat zudem eine Professur für Klarinette an der Freiburger Musikhochschule inne.

Der Musikwissenschaftler und Publizist Markus Fein hat den Komponisten Jörg Widmann in seinem Buch „Im Sog der Klänge“ porträtiert. Im Anschluss an das Konzert wird er ein Publikumsgespräch moderieren, ein Forum, mit dem die Kammerakademie die Lust am genauen Hinhören wecken möchte. Zuvor aber spielt das Orchester unter der Leitung des britischen Gastdirigenten Douglas Boyd Beethovens Zweite Sinfonie. Antje Horn-Conrad

Nikolaisaal, Sa 15.12,

19.30 Uhr, 11 bis 20 €

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