• Sing-Akademie ist Eigentümer des Gorki Nach BGH-Urteil verliert Berlin Grundbuch-Eintrag

Kultur : Sing-Akademie ist Eigentümer des Gorki Nach BGH-Urteil verliert Berlin Grundbuch-Eintrag

Keine Sorge, das Maxim-Gorki-Theater wird sich kein neues Domizil suchen müssen, auch wenn das Gebäude hinter der Neuen Wache in Berlin einen neuen Grundbucheintrag bekommt. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat es am Freitag der Sing-Akademie zu Berlin zugesprochen, das Land Berlin hat den Rechtsstreit verloren. Der 1791 gegründeten Sängervereinigung war das Grundstück am Festungsgraben 1824 vom preußischen König überlassen worden. Das Gericht entschied nun, dass der Grundbucheintrag von 1961 unwirksam ist, mit dem das von der Akademie aus Eigenmitteln errichtete klassizistische Gebäude nach einem Brand 1943 und dem Wiederaufbau zu DDR-Volkseigentum erklärt worden war. In dem Haus hatten u. a. Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Liszt und Brahms musiziert, das Gorki nutzt es seit 1952.

Nach der Wende war das teils nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel errichtete Haus in das Eigentum Berlins übergegangen. Auch hatte sich im Ostteil Berlins ein zweiter Chor mit dem Namen Berliner Sing-Akademie gegründet, bis heute existieren beide Chöre. Horrende Millionenentschädigungen, gar ein Auszug des Theaters, dessen Intendanz nächstes Jahr von Armin Petras zu Shermin Langhoff wechselt, sind nicht zu befürchten. Georg Graf zu Castell-Castell, der Vereinsvorstand des ältesten gemischten bürgerlichen Laienchors der Welt, zeigte sich erfreut über den Abschluss des seit über 20 Jahren währenden Rechtsstreits und betonte, das Theater solle nicht vertrieben werden. „Wir haben Vorschläge gemacht, wie das Maxim-Gorki-Theater weiter bestehen kann. Denkbar wäre eine Pachtlösung.“ Der Sprecher von Kulturstaatssekretär André Schmitz erklärte, nach der Änderung des Grundbucheintrags werde das Land in Verhandlungen mit der Sing-Akademie treten. Dann wird wohl über die Details einer Nutzungsentschädigung in Form einer Pachtzahlung gesprochen.

Die Sing-Akademie, die heute von KaiUwe Jirka geleitet wird und zu deren Archiv kostbare Autografe von C. P. E. Bach, Hasse, Telemann, Mendelssohn, Pachelbel und Schütz gehören, hatte 1990 einen ersten Antrag auf Herausgabe der Immobilie gestellt. Er war mehrfach abgelehnt worden, zuletzt vom Berliner Kammergericht. chp (mit dpa)

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