Kultur : Sing dich berühmt

KLASSIK

Christian Kässer

Violinen, Oboen oder Klaviere haben unterschiedliche Charaktere, je nachdem, wer sie wann gebaut hat. Aber nichts ist (so man „unterschiedlich“ steigern kann) unterschiedlicher als Stimmen: weil hinter jeder Stimme nicht nur eine andere Technik, sondern ein anderer Charakter steckt, der im Gesang so unmittelbar greifbar ist wie in sonst keiner Musikform. Beim Abschlusskonzert des Bundeswettbewerbs Gesang in der Komischen Oper waren elf junge Sängercharaktere zu erleben, begleitet vom dortigen Orchester unter der immer wachen und engagierten Führung von Kyrill Petrenko. Den ersten Preis in der Kategorie Oper/Operette ersang sich Florian Plock mit seinem kraftstrotzend modulierten Bass, der es am liebsten gesehen hätte, wenn nicht Leporello, sondern Herzensbrecher Don Giovanni selber die „Registerarie“ gesungen hätte. Ähnlich vielschichtig präsentierte sich die Sopranistin Mojca Erdmann; besonders die Vokalisen von Aribert Reimanns „Parergon II“ formte die Gewinnerin in der Kategorie Konzert kapriziös und geschmeidig. Aber auch weniger biegsame Stimmen hinterließen einen guten Eindruck, wenn sie sich nur aufs richtige Fach verlegten. Daniel Behle etwa oder Nadja Stefanoff hatten die richtige Wahl getroffen: sie als hell-kokette Rosina aus dem „Barbier“ und er als sanft dringender George aus Boieldieus „Dame blanche“. Ob alle, die am Preisträgerkonzert teilnahmen, letztlich „hochberühmt“ werden, wie Florian Plocks „Wildschütz“-Baculus von sich sang, mag dahinstehen; so manche Darbietung erschien wenig ausdifferenziert. In jedem Fall aber bot der Abend eine facettenreiche Mischung leichter Stimmen, die Lust macht auf künftige Opernbesuche.

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