Kultur : Singe mir, Muse

Im Kino: „Son de Mar“ erzählt von hoffnungsloser Liebe

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Wie das so ist mit der Liebe. Zwei finden sich, das Glück nimmt seinen Lauf. Man gibt sich ein Versprechen – und plötzlich verengt sich die Welt auf den Knast, in den man geraten ist. So geht es Ulises (Jordi Molià). Nachdem er Martina (Leonor Watling) gewonnen hat, kann er ihre Leidenschaft nicht ertragen. Eines Tages liegt sein Boot zerschellt am Strand der kleinen spanischen Küstenstadt.

„Son de mar“ von Bigos Luna ist die Geschichte einer Liebe, die sich nicht unterdrücken lässt. In wunderbar ruhigen Bildern (Kamera: José Luis Alcaine) entfaltet sich ein Drama, das ebenso gut wie in der Gegenwart im alten Griechenland spielen könnte. Das Dreieck der Liebenden besteht aus unveränderlichen Rollen. Ulises ist der unruhige Geist, der Martina mit Worten betört. Martina ist die begehrenswerte Frau, die sich an die gesellschaftlichen Spielregeln hält. Ihr zweiter Mann Sierra (Eduard Fernández) ist der reiche Mann ohne Kultur und Bildung, der seine Liebe nur in teuren Gegenständen oder in roher Wut zum Ausdruck bringen kann. Dazwischen irrt der fünfjährige Abel herum, Martinas und Ulises´ Sohn, der glaubt, Sierra sei sein leiblicher Vater.

Als Ulises abgerissen und ausgehungert von seinen Irrfahrten zurückkehrt, trifft er Martina als im Reichtum erstarrte Ehefrau des anderen an. Sie kann Ulises nicht widerstehen, doch genauso wenig kann sie Sierra die Wahrheit sagen. Die Liebe, die so einfach hätte sein können, wird zu einem Pulverfass, das jeden Moment hochgehen kann. Am Ende stellt Sierra Martina vor die Wahl: Entweder sie kehrt zurück zu den Lebenden oder sie bleibt bei den Toten. Wer sind die Lebenden, wer die Toten?

„Son de mar“ ist ein unaufgeregter Film von großer Schönheit. Bigas Luna will nicht zeigen, dass Liebe alle Hindernisse überwindet, sondern dass sie sich unter Umständen nicht um andere schert. Den Zuschauer hinterlassen die ungelösten Konflikte verunsichert, denn die Antworten auf die ungelösten Fragen muss er selbst finden. Und? Ist das etwa schlecht? Susanna Nieder

In Berlin: Cubix, NeueKantKinos .

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