Kultur : Singende Kinder

THEATER

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Es ist so kalt, dass sogar die Tinte im Fässchen auf dem Schreibpult gefroren ist, aber der hartherzige Leihhausbetreiber Ebenezer Scrooge erlaubt seinem kranken Gehilfen nicht, Kohlen nachzulegen – und das am Weihnachtsabend! „Unterlassen sie dies anklägerische Gehüstel“, weist er ihn zurecht. Der Geizkragen Scrooge macht sich nichts aus Weihnachten und verjagt alle, die ihn an das Fest der Liebe erinnern: Seine Nichte, die ihn zum Weihnachtsessen einladen möchte, singende Kinder, die um eine milde Gabe bitten – „Weihnachten ist eine Seuche!“ In der Version von Burkhart Seidemann, wird Charles Dickens moralisierende Weihnachtsgeschichte zu einer witzigen Persiflage der schmerzhaften Menschwerdung des Misanthropen Scrooge. „Skrutsch“ heißt die sehr freie Bearbeitung des Stücks, das zurzeit im Hackeschen Hoftheater zu sehen ist. Mit überzeugender Komik spielt der Mime Seidemann den Menschenverächter, der am Heiligabend vom „Geist der vergangenen Weihnacht“ heimgesucht wird. Der Geist (Bettina Schubert) erscheint als koboldhaftes Wesen, mit roter NikolausBommelmütze und entführt den entsetzten Scrooge in seine eigene Vergangenheit, um ihm das Herz zu erweichen. Dabei wechselt Schubert geschickt die Rollen: Im Nu verwandelt sich der Wicht in Scrooges nervige kleine Schwester oder seine verflossene Geliebte Emily, der er außer materiellen Gütern nichts bieten konnte. Manchmal zeigt sich der Greis gerührt beim Anblick des ausgeschlagenen Glücks. Aber schon im nächsten Moment wendet er sich misstrauisch gegen den Geist, in dem er einen Abgesandten der Steuerfahndung vermutet: „Ich brech dir die Bommel, wenn du mir nicht sagst, wer dich schickt“, droht Scrooge, den Geist im Schwitzkasten, die Bommelmütze im Würgegriff. „Nase, Bein und Arme brich, aber meine Bommel nich’“, fleht der Geist. Wird er es trotzdem schaffen, den „alten Knacker zu knacken“? – die nächsten Folgen: 28. - 30. 12., 20 Uhr; am 31. 12., 19 Uhr. Tilla Fuchs

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